DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock und Frauenbundestrainerin Silvia Neid © imago/Jan Huebner Foto: Jan Huebner

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DFB-Generalsekretär Sandrock stärkt Neid den Rücken

Silvia Neid steht beim Deutschen Fußball-Bund trotz des Ausscheidens im WM-Halbfinale sowie der Kritik einiger Bundesliga-Coaches nicht zur Disposition. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock schloss eine vorzeitige Ablösung der 51-Jährigen aus.

Bundestrainerin Silvia Neid sitzt trotz des verpassten Weltmeisterschaftstitels und teils heftiger Kritik einiger Erstliga-Coaches weiter fest im Sattel. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock stärkte der 51-Jährigen, die ihren Posten im September 2016 an Steffi Jones abgeben wird, in einem Interview auf der Homepage des Verbandes den Rücken. "Ich bin schon sehr verwundert darüber, wie sich jetzt der eine oder andere Trainer aus der Bundesliga in der Öffentlichkeit gegenüber der Bundestrainerin und der Mannschaft geäußert hat. Silvia Neid hat das Gesicht unserer Frauen-Nationalmannschaft entscheidend geprägt und großartige Erfolge gefeiert und daher genießt sie auch weiterhin unser totales Vertrauen", erklärte der 58-Jährige.

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Silvia Neid: Von der Pionierin zur Grande Dame

"Tolle Visitenkarte abgegeben"

Bereits vor dem "kleinen Finale" gegen England am Samstag (4.7.15, 22 Uhr MESZ, live im Ersten und bei sportschau.de) in Edmonton zog Sandrock ein positives WM-Fazit. "Es ist schade, dass es nicht für das Finale gereicht hat, aber die Mannschaft hat hier in Kanada eine tolle Visitenkarte abgegeben. Wir sind unter den besten vier Teams bei dieser WM, wollen den dritten Platz und damit beste europäische Nation werden", sagte der DFB-Generalsekretär.

Kritik an taktischer Flexibilität

Im Anschluss an die 0:2-Niederlage im Vorschlussrunden-Duell mit den USA war Kritik an Neid laut geworden. "Nach dem 0:1 ging fast gar nichts mehr, es hat ein Plan B gefehlt. Ein ähnliches Phänomen war übrigens auch 2011 beim Viertelfinal-Aus gegen Japan festzustellen", bemängelte Frankfurts Trainer Colin Bell in der "Rhein-Zeitung". Zudem prangerte der 53-Jährige in der "Frankfurter Rundschau" Schwächen beim Coaching an: "Ich habe den Matchplan nicht gesehen. Wenn sich ein Spiel in diese negative Richtung verändert, muss man personelle oder taktische Veränderungen vornehmen. Das ist im Endeffekt nicht geschehen. Nach dem 0:1 war noch lange zu spielen, dann muss ein Trainer noch zwei neue Leute bringen, Signale setzen, nach Lösungen suchen."

Kellermann distanziert sich von Bell

Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann sieht die USA, Japan und Frankreich derzeit besser aufgestellt als die DFB-Frauen. "Wie wir uns im Verein technisch weiterentwickeln müssen, so muss sich auch die Nationalelf technisch weiterentwickeln, dass man sich auf engstem Raum fußballerisch befreien kann", sagte Kellermann in einem Interview. Im "kicker" stellte der FIFA-Welttrainer nun klar, dass er damit keine Kritik an Neid üben wollte, sondern eine gemeinsame Entwicklung vorantreiben. Das habe er der Bundestrainerin am Donnerstag auch persönlich mitgeteilt. Kellermann distanzierte sich zudem von Bell, weil er seine Meinung nicht mit dessen harschen Äußerungen vermengt sehen möchte: "Die Art und Weise der Kritik von Colin Bell geht aus meiner Sicht nicht. Ein Bundesligatrainer sollte sich so nie öffentlich äußern."

Schröder moniert fehlende Selbstkritik

Bernd Schröder, Trainer von Turbine Potsdam © imago/Jan Huebner Foto: Jan Huebner

Fordert einen Umbruch im DFB-Team: Potsdam-Coach Bernd Schröder.

Auch Potsdams Trainer Bernd Schröder - seit Jahren ein Kritiker von Neid - meldete sich nach dem verpassten Finaleinzug zu Wort. "Wir haben jetzt zweimal hintereinander das Ziel nicht erreicht. Es muss ein Umbruch eingeleitet werden, gerade mit Blick auf Olympia im nächsten Jahr", sagte der 72-Jährige am Freitag. Namen für personelle Konsequenzen wollte der Coach nicht nennen. "Wir sind zu ausrechenbar", kritisierte Schröder, "nach dem Rückstand gegen die USA hatten wir keinen Plan B". Amerika sei "klar auf unser System vorbereitet gewesen". Der langjährige Turbine-Trainer ärgerte sich besonders über die fehlende Selbstkritik der Beteiligten. "Die U21 der Männer hat nach ihrem EM-Ausscheiden klar Position bezogen. Warum kriegen das die Frauen nicht hin?", fragte sich der 72-Jährige, der folgendes Szenario erwartet: "Sollten wir gegen England Rang drei holen, wird die Selbstbeweihräucherung weitergehen. Dann wird gesagt: "Platz drei ist doch gar nicht so schlecht."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 03.07.15 13:49 Uhr