Zwei deutsche Nationalspielerinnen schieben Rollkoffer über einen Fußweg. © dpa picture alliance Foto: Sebastian Gollnow

02:52 min | 30.06.2019 | Das Erste | Autor/in: Halatsch, Patrick

DFB-Frauen reisen in Katerstimmung ab

Die DFB-Frauen sind einen Tag nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Schweden aus dem Teamhotel bei Rennes abgereist. Das WM-Aus hat bei einigen Katerstimmung hinterlassen.

Deutsches Team

Herber Rückschlag für deutschen Frauenfußball

von Florian Neuhauss aus Rennes

Eigentlich wollten die DFB-Frauen ihrem Sport neuen Schub geben. Doch nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM in Frankreich und dem verpassten Olympia-Ticket stehen sie vor einem Scherbenhaufen. Eine Bilanz.

Der Frauenfußball-Boom in Europa war vor Beginn der Weltmeisterschaft in aller Munde. Damit auch in Deutschland wieder Schwung in die Bundesliga kommt, wollten die DFB-Frauen als Zugpferd dienen. Ein provokanter Werbespot sorgte für viel Aufmerksamkeit - die mediale Offensive zahlte sich aus. Plötzlich sprach ein ganzes Land über ihre besten Fußballerinnen, die unter anderem erklärt hatten: "Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt." Die Zuschauerzahlen beim Turnier in Frankreich können sich durchaus sehen lassen und auch die TV-Quoten stimmen, das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg lockte stets ein Millionen-Publikum vor die Fernseher.

Und nun? Das 1:2 gegen Schweden brachte das jähe Ende aller Träume. Wie schon die EM vor zwei Jahren in den Niederlanden findet auch die WM in Frankreich nach dem Viertelfinale ohne deutsche Beteiligung statt. Wenn man überlegt, dass die Zuschauerzahlen in der Bundesliga und die Zahl der Mädchen in Fußballvereinen trotz des Olympia-Siegs 2016 weiter zurückgegangen sind, will man sich gar nicht ausmalen, was der erneute Misserfolg für Folgen nach sich ziehen könnte.

Die deutschen Spielerinnen wärmen sich vor dem Anpfiff auf. © dpa-Bildfunk Foto: Sebastian Gollnow/dpa

02:29 min | 30.06.2019 | Das Erste | Autor/in: Martina Knief

Kommentar: "Junges DFB-Team hat großes Potenzial"

Der Neuaufbau der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen braucht noch Zeit - das ist eine Erkenntnis aus dem Viertelfinal-WM-Aus. Aber: Die Richtung stimmt! ARD-Reporterin Martina Knief kommentiert.

DFB-Interimspräsident Koch: "WM insgesamt erfolgreich"

Der DFB-Interimspräsident Rainer Koch, der wie schon beim ersten WM-Spiel gegen China (1:0) in Rennes auch das letzte vor Ort in der Bretagne verfolgt hatte, wollte davon nichts wissen. Er habe "eine insgesamt erfolgreiche Weltmeisterschaft gesehen, die leider jetzt am Ende den wenig erfreulichen Umstand mit sich bringt, dass wir nicht nur ausgeschieden sind, sondern uns auch nicht für Olympia qualifiziert haben", sagte er im Interview. Die ersten vier erfolgreichen Spiele hätten aber den Frauenfußball wieder ins Bewusstsein der Deutschen gebracht, meinte der 60-Jährige. "Ich hoffe, dass eine ganze Reihe von jungen Mädchen jetzt wieder neue Lust am Fußball im Verein haben, und das muss jetzt weiter befördert werden." Ohnehin zeigte sich der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes "sehr, sehr optimistisch, dass es in den nächsten Monaten gut weitergeht" mit der deutschen Nationalmannschaft.

Torhüterin Schult: "Nicht gut für den Frauenfußball"

Längst nicht so optimistisch äußerte sich Almuth Schult. "Jetzt haben wir einen Sommer ohne großes Turnier, das ist nicht gut für den deutschen Frauenfußball", unterstrich die Nationaltorhüterin. "Wir haben versucht, etwas anzustoßen. Das konnten wir aber leider nicht untermalen." Der "größte Minuspunkt überhaupt" sei allerdings, "dass wir nicht komplett überzeugen konnten".

Denn was bleibt am Ende von dieser WM - nach zwei glücklichen 1:0-Siegen gegen China und Spanien sowie zwei verdienten, aber keinesfalls berauschenden Erfolgen gegen die Frauenfußball-Underdogs Südafrika und Nigeria? Viel wahrscheinlich nicht. Die WM 2019 dürfte in der Öffentlichkeit als ein Misserfolg schnell zu den Akten gelegt werden.

Junges Team hat bis 2021 Zeit zu reifen

Doch zumindest für die Entwicklung des jungen Teams von Voss-Tecklenburg dürfte sie sehr wertvoll werden. Wie die Verletzung von Dzsenifer Marozsán die übrigen Spielerinnen hat enger zusammenrücken lassen, könnte dieses jähe WM-Ende die Mannschaft zusammenschweißen. Die meisten DFB-Frauen blickten nach der Niederlage schnell nach vorn - die Qualifikation für die EM 2021 und dann ein gutes Abschneiden in England sind ein Muss - und das erklärte Ziel von "MVT", deren Pläne von Anfang an langfristiger als bis Frankreich ausgelegt waren. "Wir sind eine Mannschaft, die im Prozess ist. Wir spielen noch nicht so lange zusammen", sagte Torschützin Lina Magull nach dem Schweden-Spiel. "Wir müssen noch ein bisschen mehr Erfahrung sammeln und uns einspielen. Und dann bin ich mir sicher, dass wir wieder zu einem sehr, sehr starken Deutschland werden."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 29.06.2019 | 18:30 Uhr

Stand: 30.06.19 12:38 Uhr