Die deutsche Frauenfußball-Nationaltorhüterin Giulia Gwinn bejubelt einen Treffer. © imago images / HMB-Media

1:40 min | 08.06.2019 | Das Erste

Deutschland - China 1:0

Knapper Auftaktsieg für die Deutschen gegen China. Mit 1:0 setzte sich das Team durch. Es war das erwartet schwere Spiel gegen unangenehm spielende Asiatinnen.

Deutsches Team

Deutschland müht sich zum Sieg gegen China

von Uli Petersen

Aller Anfang ist schwer: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen ist zwar mit einem Sieg ins WM-Turnier in Frankreich gestartet. Gegen China zeigte die DFB-Elf aber nur eine mittelmäßige Leistung. Matchwinnerin war ausgerechnet eine der jungen Hoffnungsträgerinnen im deutschen Team.

Ohne Druck und mit viel Spaß - so wolle man ins WM-Turnier gehen und das enttäuschende EM-Viertelfinal-Aus in den Niederlanden vor zwei Jahren vergessen machen. Diese "lockeren" Worte, die das DFB-Team vor Beginn der Weltmeisterschaft in Frankreich immer und immer wieder mit Nachdruck betont hatte, galt es nun am Samstag (08.06.2019) mit Leben zu füllen.

Das gelang gegen China im ersten Vorrundenspiel der Gruppe B zwar nur bedingt, aber: Am Ende von umkämpften 90 Minuten sind die erhofften drei Punkte auf der Habenseite. Ein Treffer des erst 19-jährigen WM-Neulings Giulia Gwinn Mitte der zweiten Halbzeit entschied die Partie mit 1:0 (0:0) zugunsten des deutschen Teams. "Das war harte Arbeit und Teamworking. Auch wenn es nicht schön war: Diesen Einstand haben wir gebraucht", sagte Bundestrainer Martina Voss-Tecklenburg nach dem Spiel im Ersten.

Simons Flanke landet an der Latte

Ihre Mannschaft hatte an diesem wechselnd-bewölkten Nachmittag in Rennes mehr mit den robust spielenden Gegnerinnen zu kämpfen, als ihr lieb sein durfte. Gleich zu Beginn der Partie - nachdem es zuvor mit strahlenden Gesichtern durch die Katakomben auf den Platz gegangen war - zeigte sich das DFB-Team zwar mit dem nötigen Zug zum gegnerischen Tor. Nach einem Distanzschuss von Sara Däbritz, der nur knapp am rechten Pfosten vorbeiflog (3.), dauerte es aber einige Zeit bis zur nächsten guten Gelegenheit für die DFB-Elf - die noch dazu von Kommissar Zufall begünstigt war: Nach einer Ecke traf Carolin Simon bei einer Flanke von rechts die Latte (17.). Auch ein Kopfball von Alexandra Popp (20.) fand nicht den Weg ins Tor.

Deutsches Team

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Chinas Spielweise behagt Deutschland gar nicht

Das Spiel vor 15.283 Zuschauern entwickelte sich in der Folge ganz anders, als es wohl im Matchplan von Trainerin Voss-Tecklenburg gestanden hatte: An der Seitenlinie schüttelte sie nicht nur einmal unzufrieden den Kopf. Chinas defensiv ein- und aufgestelltes Team unterband den deutschen Spielaufbau immer wieder mit harter Zweikampfführung. Nicht nur Dzsenifer Marozsán, Alexandra Popp und Simon bekamen das schmerzhaft zu spüren.

Die Spielerinnen des DFB-Teams agierten zunehmend nervös und konfus, von den erfahrenen Marozsán und Popp war vorne nichts mehr zu sehen. Die auf Konter lauernden Chinesinnen profitierten ihrerseits von Fehlern in der deutschen Abwehr, nutzten die sich daraus ergebenen Chancen aber nicht: Shanshan Wangs Schuss aus spitzem Winkel wurde geblockt (14.), Yang Lis Versuch aus 15 Metern landete am rechten Pfosten (44.) - und in der Nachspielzeit vertändelten die Asiatinnen im Strafraum, anstatt aus freier Schussbahn abzuschließen.

Chinesische Abwehr hält lange dicht

Zum zweiten Abschnitt nahm Trainerin Voss-Tecklenburg die angeschlagene Simon aus dem Team, für sie verteidigte hinten links Lena Oberdorf. China hatte nach einem Foul von Sara Doorsoun schon vor der Pause die verletzte Jiahui Lou auswechseln müssen, brachte nun Shanshan Wang für Wei Yao. Auf dem Platz änderte sich zumindest etwas: Die deutsche Abwehr machte keine Fehler mehr, ließ keine Chancen der Chinesinnen mehr zu. Da die Asiatinnen ihrerseits aber den eigenen Strafraum weiter genauso konsequent abschirmten, wie sie konsequent in die Zweikämpfe gingen, kam das DFB-Team zunächst nur zu ungefährlichen Versuchen aus der Distanz. Popp (47.) und Däbritz (56., 61.) blieben glücklos.

Erleichterung und eine wichtige Erkenntnis

Mit Gwinns Treffer nach einer Marozsán-Ecke in der 66. Minute änderten sich dann die Vorzeichen: Das DFB-Team verlegte sich aufs Verteidigen, China lief vergeblich an. In der gesamten zweiten Halbzeit brachten die Asiatinnen keinen Schuss aufs Tor von Almuth Schult zustande. "Wir haben uns durchgebissen und am Ende verdient gewonnen", befand Spielführerin Popp nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichterin Marie-Soleil Beaudoin aus Kanada. Die Anspannung in den Gesichtern der deutschen Spielerinnen wich langsam, Erleichterung machte sich breit - verbunden mit der Erkenntnis, dass im nächsten Spiel gegen Spanien am Mittwoch (12.06.2019, 18:00 Uhr) vieles besser werden muss, um den zweiten WM-Sieg einfahren zu können. Diese Partie werde ihre Mannschaft "mit frischem Mut und neuer Energie" angehen, sagte Voss-Tecklenburg. Ob alle Spielerinnen, die gegen China Blessuren davontrugen, bis zum Anpfiff wieder fit werden, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen.

FIFA Frauen WM 2019
Deutschland : China

08.06.19 15:00 Uhr, Spieltag 1 · Vorrunde, Gruppe B

Deutschland

Schult - Hendrich, Hegering, Doorsoun, Simon (46. Oberdorf) - Leupolz (63. Magull), Däbritz - Gwinn, Marozsán, Huth (86. Schüller) - Popp

1

China

Peng - Lin, Wu, Han, Shanshan Liu - Jiahui Lou (33. Tan), Zhang, Yao (46. Shuang Wang), Gu - Yang (69. Song), Shanshan Wang

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Ergebnis

  • 1:0 (0:0)

Tore

Strafen

Bes. Vorkommnisse

Ort

  • Rennes

Stadion

Zuschauer

  • 15283

Schiedsrichter

  • Marie-Soleil Beaudoin (Kanada)

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 08.06.2019 | 16:00 Uhr

Stand: 08.06.19 16:57 Uhr