Lena Petermann (l.) im Zweikampf mit der Schwedin Emma Berglund © imago/foto2press

Angriff

Lena Petermann: Von der Nordsee über den Atlantik

Texas, Washington D.C., Hawaii - vor nicht allzu langer Zeit waren das für Lena Petermann Reisen zu Auswärtsspielen. Wie man in Kanada Fußball-Weltmeisterin wird, weiß die 21-Jährige auch schon. Im vergangenen Jahr hat sie die deutsche U20 in Montréal zum Titel geschossen und nun auch überraschend den Sprung ins A-Nationalteam geschafft.

Lena Petermann war schon früh klar, dass sie weg muss von der Nordseeküste, um im Fußball voranzukommen. Geboren in Cuxhaven und aufgewachsen in Otterndorf, stand sie schnell auf dem Wunschzettel von Turbine Potsdam. Damals legten die Eltern ihr Veto ein: Mit 15 wollten sie ihre Tochter noch nicht von zu Hause fortlassen. "Aber sie haben mir gesagt: Wenn du 18 bist, kannst du machen, was du willst." Auf dieses Versprechen kam das Sturmtalent zurück: Nach drei Jahren beim Hamburger SV, bei dem sie mit 15 ihr Debüt in der Bundesliga gefeiert hatte, bekam sie ein Angebot aus Florida. Dass sie sofort Feuer und Flamme war, hatte zwei Gründe: Zum einen durfte ihre Mannschaft nicht mehr in der Bundesliga spielen, weil der HSV das Frauen-Team 2012 aus Kostengründen abmeldete. Zum anderen lag eine lange Leidenszeit hinter Petermann. Ein Patellaspitzensyndrom am linken Knie hatte sie fast ein Jahr zur Untätigkeit verdammt.

Ein "Rookie" startet durch

Steckbrief Lena Petermann

Position: Angriff
Trikotnummer: 19
Verein: SC Freiburg
geboren am: 5. 2. 1994 in Cuxhaven
Größe: 175 cm
Gewicht: 65 kg
Länderspiele: 5
Länderspieltore: 2
Länderspiel-Debüt: 6. März 2015 gegen China (2:0)
größte Erfolge im Nationalteam: U-20-Weltmeisterin 2014, U-17-EM-Dritte 2010 und 2011

Das Abenteuer USA hielt dann alles, was sie sich davon versprochen hatte. An der University of Central Florida in Orlando bekam sie ein Stipendium für ein Studium der Sportwissenschaften. Sie wohnte direkt auf dem Campus, kickte mit Spielerinnen aus Schweden, England und Brasilien und flog zu Auswärtsspielen nach Texas, Washington D.C. und Hawaii. "Ich habe die Sprache gelernt und bin reifer geworden in der Zeit", sagt Petermann. Auch sportlich lief es gut. "In Amerika wird sehr viel Wert auf Athletik gelegt. Wir haben unglaublich viel Krafttraining gemacht. Dadurch bin ich stärker und schneller geworden." Gleich im ersten Jahr wurde sie zum "Rookie of the Year" gekürt. Ihre damalige Trainerin Tiffany Roberts Sahaydak, Weltmeisterin von 1999, schickte eine E-Mail an die deutsche U20-Trainerin Maren Meinert, die sie noch aus gemeinsamen aktiven Zeiten kannte, und rief die durchsetzungsstarke Stürmerin in Erinnerung. Anfang 2014 kam dann die Einladung zu einem Lehrgang der deutschen U20-Auswahl, ein paar Monate später holte Petermann mit dem Team in Kanada den WM-Titel. Im Finale gegen Nigeria in Montréal erzielte sie in der Verlängerung das goldene Tor. Noch heute schwärmt sie vom außergewöhnlichen Teamgeist, der diese Truppe durchs Turnier trug: "Wir wussten, dass wir vielleicht nicht die beste Mannschaft sind, aber wir wussten auch, dass unser Zusammenhalt uns stark macht."

SC Freiburg macht das beste Angebot

Um danach auch ihre Chancen auf die "richtige" WM zu wahren, wechselte die junge Frau mit der leicht abergläubischen Ader im vergangenen Jahr zurück in die Bundesliga. Sie entschied sich zwischen mehreren Angeboten für den SC Freiburg, weil ihr das Konzept und die Stadt am besten gefielen. Ihr Vertrag läuft bis 2016. Seit dem Frühjahr studiert sie dort Sport und Englisch auf Lehramt, später will sie einmal als Fitnesscoach arbeiten.

André Hahn ein guter Freund - Birgit Prinz das Vorbild

Beim Algarve Cup im März feierte Petermann ihr Debüt im A-Nationalteam und durfte beim 2:0 gegen China gleich 90 Minuten ran. Inzwischen hat sie sogar ihren früheren Vereinskollegen André Hahn übertroffen, der bislang ein Länderspiel absolviert hat. Wie Petermann kickte der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach am Beginn seiner Karriere beim TSV Otterndorf. "André war in der Jugend ein, zwei Mannschaften über mir, wir haben also nie zusammen gespielt", erzählt Petermann. "Aber wir kennen uns ganz gut. Mein Freund ist ein guter Freund von André." Wenn Petermann jetzt noch anfängt, ihrem früheren Vorbild Birgit Prinz nachzueifern, steht ihr eine große Zukunft im DFB-Dress bevor. Die Rekordnationalspielerin hat in 214 Länderspielen 128 Tore geschossen - davon 14 bei Weltmeisterschaften.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 04.07.15 22:35 Uhr