Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Jennifer Cramer © picture-alliance/Offside Sports Photography Foto: Mark Leech

Abwehr

Jennifer Cramer: Die Frau für die besonderen Fälle

Jennifer Cramer will später einmal auf Verbrecherjagd gehen. Die 22-Jährige absolviert ein Studium zur Polizeikommissarin. Auf dem Platz legt die Potsdamerin bereits jetzt regelmäßig ihre Gegenspielerinnen an die Kette.

Seit rund eineinhalb Jahren absolviert Jennifer Cramer bei der Sportfördergruppe der Potsdamer Landespolizei ein Studium zur Kommissarin. "Es macht mir sehr viel Spaß, vor allem das Schießen", erklärt die 22-Jährige. Es sei ihr Kindheitstraum gewesen, als Verbrechensbekämpferin zu arbeiten, ergänzte die Nationalspielerin. Sie möchte später gerne in einer Sondereinheit tätig sein. Auf dem grünen Rasen ist Cramer bereits eine Frau für besondere Fälle. Bei Turbine Potsdam ist sie für die Aufräumarbeiten im Mittelfeld zuständig, im DFB-Team legt "Jenny" zumeist als Verteidigerin ihre Gegenspielerinnen an die Kette. Und dann ist da noch ein weiterer Faktor, der Cramers hohes Standing bei Silvia Neid erklärt. "Die Trainerin hat gesagt, dass ich mit sehr viel Ruhe auf dem Platz spiele", erklärte die 22-Jährige der "Berliner Zeitung".

Schwerer Abschied von daheim

Die Laufbahn der Defensivspezialistin begann 1998 bei der JSG Röddenau/Birkenbringhausen. 2007 ging sie zum DFC Allendorf, bevor das Angebot kam, ins Sportinternat Potsdam zu wechseln. Die damals 15-Jährige kämpfte schwer mit sich, hatte Bedenken, in einer fremden Stadt und Umgebung Fuß zu fassen. "Ich wollte weiterkommen. Ich wusste, ich muss diese Chance ergreifen, denn was sollte Besseres kommen?", begründete Cramer im Gespräch mit "dfb.de" ihre Entscheidung, ins knapp 500 Kilometer entfernte Brandenburg zu ziehen.

Große Erfolge in der Jugend

Steckbrief Jennifer Cramer

Position: Abwehr
Trikotnummer: 15
Verein: Turbine Potsdam
geboren am: 24. 2. 1993 in Frankenberg/Eder
Größe: 168 cm
Gewicht: 59 kg
Länderspiele: 23
Länderspieltore: 0
Länderspiel-Debüt: 11. März 2013 gegen Norwegen (2:0)
größte Erfolge im Nationalteam: Europameisterin 2013, U19-Europameisterin 2011

Auch wenn die Hessin noch heute teilweise von Heimweh geplagt wird, aus sportlicher Sicht zahlte sich die Luftveränderung aus. Mit Turbines B-Juniorinnen wurde sie zweimal deutscher Meister, gewann zudem 2009 die Schulweltmeisterschaft. "Sie ist ein typisches Kind unserer Eliteschule", erklärte ihr langjähriger Förderer und Coach Bernd Schröder. Es folgten der Sprung ins Potsdamer Zweitliga-Team sowie in die Nachwuchs-Nationalmannschaften des DFB. Auch hier feierte Cramer große Erfolge. Mit der U19 wurde sie 2011 Europameisterin, bei der U20-WM 2012 belegte sie mit Deutschland Rang zwei. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich "Jenny" bereits in der Bundesliga-Elf von Turbine etabliert.

Kometenhafter Aufstieg im Nationalteam

Auch im Nationalteam erlebte sie einen kometenhaften Aufstieg. Ihrem Debüt im März 2013 beim Algarve-Cup gegen Norwegen (2:0) folgte bald darauf die Nominierung in das deutsche EM-Aufgebot. Neid musste aufgrund vieler verletzungsbedingter Absagen improvisieren und funktionierte die etatmäßige Mittelfeldakteurin zur Linksverteidigerin um. Mit Erfolg. Die damals 20-Jährige stand beim Titelgewinn des DFB-Teams in fünf der sechs Partien von Beginn an auf dem Platz. "Das hat mir schon Selbstbewusstsein gegeben", sagte Cramer. Ihr Trainer Schröder, seit Jahren ein Kritiker von Neid, stellte sie anschließend trotzdem wieder im Mittelfeld auf. Sie sei aufgrund ihrer Dynamik und Übersicht in der Abwehr verschenkt, meinte der 72-Jährige. Und "Jenny"? Sie gab sich cool wie eine Kommissarin, die einen Routinefall erledigt hat: "Ehrlich gesagt, ist es mir egal, wo ich spiele."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 20.06.15 23:39 Uhr