Nationalspielerin Babett Peter © picture alliance / dpa Foto: Revierfoto

Abwehr

Babett Peter: Grüblerin und Ruhepol

Es war ein Schock, von dem sich Babett Peter nicht so schnell erholt hat: das Aus bei der Heim-Weltmeisterschaft 2011. Heute sagt die Frau, die das Verlieren erst mal lernen musste: "Es war eine wichtige Erfahrung für mich, wenn auch eine negative." Inzwischen spielt die 27-Jährige sogar dort, wo der Albtraum im Viertelfinale gegen Japan vor vier Jahren Wirklichkeit wurde: in Wolfsburg.

"Enge Verwandte und Menschen, die mir nahestehen, sagen mir oft: Spiel doch einfach Fußball und denk nicht so viel nach", erzählt die Abwehrspielerin, die seit Jahren eine feste Größe in der Nationalmannschaft ist und flexibel als Außenverteidigerin oder in der Abwehrzentrale eingesetzt werden kann. Sie ist eine schnelle Fußballerin, stark im Kopfballspiel, bissig im Zweikampf und ausgestattet mit einem "krassen Verantwortungsgefühl". Niederlagen rauben ihr oft den Schlaf. "Ich bin eben ein Mensch, der viel darüber nachdenkt, woran es vielleicht gelegen hat, was man hätte besser machen können."

"Hulk" kann auch mal auf den Tisch hauen

Steckbrief Babett Peter

Position: Abwehr
Trikotnummer: 14
Verein: VfL Wolfsburg
geboren am: 12. 5. 1988 in Oschatz
Größe: 171 cm
Gewicht: 61 kg
Länderspiele: 92
Länderspieltore: 4
Länderspiel-Debüt: 9. März 2006 gegen Finnland (5:0)
größte Erfolge im Nationalteam: Weltmeisterin 2007; Europameisterin 2009; Olympia-Bronze 2008

Babett Peter steht nicht gern im Mittelpunkt. Deshalb war die ehemalige Sportsoldatin wenig amüsiert, als der Spitzname, den ihr Bianca Schmidt während eines Bundeswehr-Lehrgangs aus Jux verpasste, öffentlich wurde. "Hulk", wie das kraftstrotzende Comic-Monster, hat Schmidt ihre Nationalmannschaftskollegin getauft. Ein Monster war Peter als Kind zwar nicht, aber ein Irrwisch, der seine Eltern zu Hause im sächsischen Oschatz manchmal zur Verzweiflung trieb: "Man glaubt es kaum, aber ich war ein sehr freches und rotzgöriges Mädchen", erzählt sie der Sportschau. Heute gilt die studierte Sportmanagerin, die im kommenden Jahr noch ein Masterstudium beginnen will, als Ruhepol, nicht nur beim VfL Wolfsburg. "Ich glaube, dass meine Mitspielerinnen schätzen, dass ich eigentlich ruhig und besonnen bin, aber dass ich auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen kann, wenn es nötig ist", sagt sie.

Handicap Gesichtslähmung

In den Sport gestürzt hat sich Peter nach eigenem Bekunden wegen ihres Handicaps. Seit dem fünften Lebensjahr leidet sie an einer Lähmung der Nerven in der linken Gesichtshälfte. Als Kind wurde sie deswegen oft gehänselt. Als sie 15 war, unterzog sie sich einer Operation, seither geht es ihr deutlich besser. Im selben Jahr wechselte sie auch aufs Sportgymnasium nach Leipzig. 2006 nahm sie ein Angebot von Turbine Potsdam an. Dort sammelte sie die Titel reihenweise ein, wurde fünfmal deutsche Meisterin, DFB-Pokalsiegerin und Champions-League-Gewinnerin. 2012 wechselte sie zum 1. FFC Frankfurt, doch diese eher unglückliche Verbindung gipfelte in einer komplizierten Fußverletzung, die sie nicht nur die Europameisterschaft 2013 kostete, sondern fast die komplette Saison, die darauf folgte. "Es war ein langes und sehr verzweifelndes Jahr."

In Wolfsburg zurück zu alter Stärke

Aus persönlichen Gründen ("Ich habe auch privat eine Veränderung gesucht") löste sie vor einem Jahr ihren Vertrag in der Mainmetropole auf, folgte dem Ruf des deutschen Meisters und Champions-League-Siegers aus der Autostadt und besiegte die Selbstzweifel. "In Wolfsburg habe ich zu meiner alten Stärke gefunden", sagt sie. "Ich denke, dass ich inzwischen eine wichtige Stütze bin." Peters Auswahlkarriere verlief stetig, aber unspektakulär. Mit 17 debütierte sie in der A-Nationalmannschaft und stand 2007 im Weltmeister-Team - allerdings stand sie in China nicht eine Minute auf dem Platz. Den Durchbruch schaffte sie erst bei Olympia 2008, wo das DFB-Team Bronze holte. Ein Jahr später wurde sie in Finnland Europameisterin und spielte von der ersten bis zur letzten Minute.

Mops "Jay-Jay" und ein Glückskissen

Babett Peter © imago/kicker/Sperber Foto: Sperber

Babett Peter mit "Jay-Jay".

Auch privat hat es die Botschafterin der SOS-Kinderdörfer gern ruhig. Mit ihrem Mops "Jay-Jay" unternimmt sie lange Spaziergänge am Wolfsburger Hasselbach, und im Urlaub frönt sie ihrem Hobby Windsurfen. Während der WM wird "Jay-Jay" nach Oschatz zu ihren Eltern umziehen. Mit im Gepäck für Kanada ist jedoch ihr Glückskissen. "Es ist ein fast hässliches Kissen, aber es ist mir ans Herz gewachsen", erzählt sie. "Es ist sechs, sieben Jahre alt, und ich habe es schon überall mit hingenommen." Das Telefon muss auch mit und der Tablet-Computer. "Mehr brauche ich gar nicht, um glücklich zu sein." Oder doch? In ihrer Wohnung hat sie ein Duplikat des WM-Pokals von 2007. "Ich weiß, wie der Pokal in der Hand liegt. Ich hätte gern mehr davon."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 04.07.15 22:31 Uhr