Die Freiburgerinnen Giulia Gwinn (l.) und Klara Bühl (r.) mit Lena Oberdorf aus Essen © imago images

01:30 min | 03.06.2019 | Das Erste

MVT: "Trauen den Youngstern WM-Leistung zu"

Zum deutschen Aufgebot gehören in Giulia Gwinn, Lena Oberdorf und Klara Bühl auch drei Teenagerinnen. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg traut dem Trio einiges zu.

Deutsches Team

Gwinn, Oberdorf, Bühl: Youngster mit viel Potenzial

von Florian Neuhauss

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nutzt die WM, um drei jungen Spielerinnen Turnier-Erfahrung zu verschaffen. Doch dem Trio ist mehr als nur eine Zuschauerrolle zuzutrauen.

Der Traum von einer Weltmeisterschaft wird für die Youngster Giulia Gwinn, Lena Oberdorf und Klara Bühl schon sehr früh in ihrer Karriere wahr. Martina Voss-Tecklenburg will den großen Talenten möglichst früh Turniererfahrung im Frauenbereich verschaffen. "Das macht auf jeden Fall Sinn", meinte ARD-Frauenfußball-Expertin Nia Künzer. Doch das Alter spielte bei der Nominierung nur eine untergeordnete Rolle. "In erster Linie war die aktuelle Leistung sehr, sehr ausschlaggebend. Die drei haben eigentlich schon seit Beginn der Saison für viel Furore gesorgt", erklärte die Bundestrainerin. Alle drei kamen bei der Generalprobe gegen Chile zum Einsatz. Sportschau.de stellt das Trio kurz vor.

Lena Oberdorf: Als Jüngste herausgestochen

Oberdorf ist mit 17 Jahren die jüngste Spielerin im deutschen Kader - und die fünftjüngste bei der WM überhaupt. Die Teenagerin, die sich mit ihren 1,74 Metern sehr gut zu behaupten weiß, spielt seit dieser Saison bei den Frauen der SGS Essen und hat großen Anteil am Höhenflug des Teams, das als Tabellenvierter einen Vereinsrekord aufgestellt hat. Die beste Spielerin beim U17-EM-Titel 2017 kam im Team von Daniel Kraus 18-mal zum Einsatz und erzielte neun Tore. "Wir wollten sie eigentlich behutsamer aufbauen", sagte Kraus sportschau.de. "Bei den Frauen geht es schneller und zweikampfintensiver zu als bei den Mädchen. Aber in unserer Mannschaft ist sie da sogar noch herausgestochen."

Damit überzeugte sie auch die Bundestrainerin. "Sie kann alles spielen und hat in Essen eine Führungsrolle übernommen", staunte Voss-Tecklenburg, die Oberdorf im Länderspiel gegen Schweden (2:1) zum Debüt verhalf. Damit war die Essenerin bei ihrem ersten A-Länderspiel allerdings noch ein halbes Jahr älter als die Bundestrainerin bei ihrer ersten Partie vor 35 Jahren.

Klara Bühl: Macht sie die Welt auf sich aufmerksam?

Jubel im Nationaltrikot bei Klara Bühl (h.) und Giulia Gwinn © imago/Action Plus Foto: Nigel Cooke

Klara Bühl (h.) und Giulia Gwinn spielten schon in den U-Nationalteams zusammen für Deutschland.

Wie Oberdorf hat auch Bühl bisher lediglich zwei Länderspiele absolviert. Die 18-Jährige, ein Jahr vor Oberdorf gemeinsam mit Gwinn ebenfalls U17-Europameisterin, debütierte beim 1:0-Erfolg in Frankreich sozusagen gemeinsam mit "MVT", die in Laval erstmals als Trainerin auf der DFB-Bank saß. Die Offensivspielerin hat mittlerweile 57 Spiele für die Bundesliga-Frauen des SC Freiburg absolviert und dabei 13 Tore erzielt. Sie ist zwar nur zwei Zentimeter kleiner als Oberdorf, aber eine ganz andere Spielerin. Als "schnell, unbekümmert und frech" wird sie von Voss-Tecklenburg beschrieben. Im DFB-Pokalfinale, das die Freiburgerinnen 0:1 gegen den großen Favoriten VfL Wolfsburg verloren, sorgte Bühl als Sturmspitze besonders in der ersten Hälfte immer wieder für Tohuwabohu in der Abwehr um die erfahrenen Nilla Fischer und Lena Goeßling. Ihr Vereinstrainer Jens Scheuer traut Bühl auch in Frankreich viel zu: "Sie hat die Bundesliga auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt hoffe ich, dass sie die Chance bekommt, sich bei der WM auch mal länger als 15, 20 Minuten zu zeigen. Dann kann sie die Welt auf sich aufmerksam machen."

Giulia Gwinn: Mit 19 Jahren Stammelf-Kandidatin

Im Vergleich zu ihrer Freiburger Teamkollegin und Oberdorf ist Gwinn schon ein alter Hase. Die 19-Jährige, die nach der WM zusammen mit ihrem Trainer Scheuer zum FC Bayern wechselt, ist die einzige des Trios, die schon unter "MVT"-Vorgänger Horst Hrubesch zum Einsatz gekommen ist. "Ich fühle mich geehrt und bin stolz, dass ich zum Aufgebot für die WM gehöre", schrieb Gwinn in ihren Social-Media-Kanälen. Überraschend war ihre Nominierung aber nicht. "Das Mädel spielt einfach richtig gut Fußball", sagte Scheuer sportschau.de. "Ihre größte Stärke ist ihre große Klasse." Sie ist auf den Außenbahnen flexibel einsetzbar - und stand wie schon einige Male zuvor gegen Chile in der Startformation. Gwinn und Bühl setzen die gute Nachwuchsarbeit des SC Freiburg fort: Auch Laura Benkarth, Carolin Simon, Sara Däbritz, Verena Schweers, Melanie Leupolz, Lina Magull und aktuell Merle Frohms wurden im Breisgau aus- oder erfolgreich weitergebildet.

Künzer "überrascht, wie weit sie schon sind"

Nia Künzer, die Deutschland 2003 mit ihrem Golden Goal zum Weltmeister machte, ist "überrascht, wie weit die jungen Spielerinnen schon sind". Unbeeindruckt von den Geschehnissen präsentierten sie sich auf einem hohen Niveau. Voss-Tecklenburg traut dem Trio schon bei der WM deutlich mehr als eine Zusschauerrolle zu: "Wir geben den Spielerinnen einfach jetzt schon Vertrauen, weil wir davon überzeugt sind, dass sie eine WM-Leistung erbringen können."

Deutsches Team

Das deutsche Aufgebot für die WM in Frankreich

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 08.06.2019 | 16:00 Uhr

Stand: 30.05.19 19:45 Uhr