Sara Doorsoun © NDR

00:35 min | 06.06.2019 | Das Erste

Sara Doorsoun - Abwehr-Ass mit viel Humor

Auf dem Feld wahnsinnig schnell, neben dem Platz Hund "Peanut" immer im Herzen und meist gut gelaunt - so sehen die Mitspielerinnen Abwehr-Ass Sara Doorsoun.

Porträt

Sara Doorsoun: Krone gerichtet und durchgestartet

von Florian Neuhauss

Sara Doorsoun überzeugt in der deutschen Nationalmannschaft seit gut einem Jahr als Innenverteidigerin. Auch unter Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist sie gesetzt. Dabei spielt die 27-Jährige beim VfL Wolfsburg nur wenig.

Als Deutschland bei der EM 2017 im Viertelfinale auf die Verliererstraße geriet, stand Sara Doorsoun noch unter der Dusche. Bei Bundestrainerin Steffi Jones war die Allrounderin, die damals noch für die SGS Essen spielte, sozusagen die erste Ersatzspielerin. Wo es im Mittelfeld eine Lücke zu stopfen galt, war Doorsoun gefragt - und zugleich die erste Spielerin, die einer offensiveren Aufstellung zum Opfer fiel. So auch vor knapp zwei Jahren gegen Dänemark, als Lina Magull zur Pause für sie ins Spiel kam. Am Ende hatte Deutschland durch eine 1:2-Niederlage das Halbfinale verpasst, und Doorsoun stand weinend in der Mixed Zone. "Das ist bisher die schwerste Niederlage in meiner Karriere. Ich fühle eine ganz tiefe Enttäuschung", sagte die gebürtige Kölnerin sportschau.de, gab sich aber schnell wieder kämpferisch: "Hinfallen, aufstehen, Krone richten."

Unter Jones reicht es nicht zur Stammspielerin

Gesagt, getan! Die zweikampfstarke Doorsoun, die von Jones für die EM ob der Ähnlichkeit mit der Zeichentrick-Indianerin den Spitznamen "Pocahontas" verpasst bekommen hatte, vergaß den Schmerz schnell wieder. Wie immer in ihrer Karriere, in der schon in der U15 Länderspiele im DFB-Trikot anstanden, in der sie aber lange um Einsätze in der A-Nationalmannschaft kämpfen musste.

"Ein anderes Land als Deutschland kam für mich nie infrage", erklärte die Rheinländerin, deren Eltern aus dem Iran (Vater) und der Türkei (Mutter) kommen. 2012 wechselte die damals 23-Jährige, die zuvor bei Fortuna Köln und Wattenscheid gekickt hatte, von Bad Neuenahr zu Turbine Potsdam - und machte dort auch Bundestrainerin Silvia Neid auf sich aufmerksam. Nominiert wurde Doorsoun, mittlerweile nach Essen gewechselt, allerdings erst 2015. Der Traum vom ersten Länderspiel-Einsatz ließ noch einmal eineinhalb Jahre auf sich warten und fest zum DFB-Kader gehörte Doorsoun dann erst unter Jones. Zur Stammspielerin reichte es damals aber nie.

Wechsel zu Hrubesch als Glücksfall

Doch während das Viertelfinal-Aus bei der EM der Anfang vom Ende der Zeit der Bundestrainerin war, entpuppte sich deren Ausscheiden als Glücksfall für Doorsoun.

Nach einem weiteren Jahr und ihrem Vertragsende in Essen wechselte die gelernte Kauffrau für Büromanagement im vergangenen Sommer zum VfL Wolfsburg. "Das ist für mich der nächste Schritt in meiner Entwicklung und ich will künftig meinen Teil dazu beitragen, dass die tolle Entwicklung in Wolfsburg weitergeht und wir auch in Zukunft viele Siege feiern und Titel holen werden", sagte die 27-Jährige bei der Bekanntgabe ihres Transfer zum amtierenden deutschen Meister und Pokalsieger im April 2018. Nur zwei Tage später stand das erste Länderspiel von Horst Hrubesch an. Der Jones-Nachfolger schenkte Doorsoun gegen Tschechien (4:0) von Beginn an das Vertrauen und die zahlte zurück. Insgesamt achtmal stand Hrubesch als Frauen-Bundestrainer an der Linie und Doorsoun immer als eine der Innenverteidigerinnen der Viererkette in der Startformation.

"MVT" immer mit Clubtrainern im Gespräch

Die deutsche Nationalspielerin Sara Doorsoun (r.) im Zweikampf mit der Französin Valérie Gauvin © picture alliance/dpa Foto: Thomas Brégardis

Beim Länderspiel-Sieg in Frankreich wurde Sara Doorsoun (r.) zur Spielerin des Spiels gewählt.

Anfangs lief es für Doorsoun auch in Wolfsburg. In elf Hinrundenspielen kam der Sommerzugang zehnmal zum Einsatz, stand achtmal in der Startformation. Doch seit der Winterpause und der Rückkehr der langzeitverletzten Lena Goeßling in die VfL-Innenverteidigung neben Kapitänin Nilla Fischer blieb Doorsoun meist nur die Jokerrolle. Das Ende für die Stammplatz-Ambitionen in der Nationalmannschaft? Mitnichten! "Ich spreche regelmäßig mit den Clubtrainern", erklärte Hrubesch-Nachfolgerin Martina Voss-Tecklenburg. "Es ist für mich nicht besorgniserregend, wenn eine Spielerin im Verein mal eine Phase hat, in der sie nicht spielt."

"MVT" hielt an Bewährtem fest, Doorsoun stand beim Debüt der neuen Bundestrainerin wieder in der Startformation. Als Innenverteidigerin wurde die Wolfsburgerin beim 1:0-Erfolg in Frankreich sogar zur Spielerin des Spiels gewählt - und zeigte auch in der Folge starke Leistungen: In Schweden (2:1) war die schnelle Doorsoun als rechtes Glied der neuformierten Dreierkette ebenso auffällig wie beim Spiel gegen Japan (2:2), als alle Innenverteidigerinnen des Kaders 45 Minuten zum Einsatz kamen. Doorsoun dürfte bei der WM gesetzt sein, die Krone sitzt fest auf ihrem Kopf.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 08.06.2019 | 16:00 Uhr

Stand: 06.06.19 23:39 Uhr