Norwegens Ingrid Hjelmseth (v.l.) und Maria Thorisdottir gegen Sam Kerr (Australien) © imago images / Bildbyran Foto: imago images / Bildbyran

02:18 min | 22.06.2019 | Das Erste | Autor/in: Mayer, Oliver

Norwegen - Australien 5:2 n.E.

In einem tubulenten Achtelfinale ging Norwegen zunächst in Führung, aber den "Matildas" gelang kurz vor dem Ende der Ausgleich. Im Elfmeterschießen waren die Norwegerinnen dann klar besser.

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Norwegen nach Elfmeter-Drama gegen Australien weiter

von Hanno Bode

Norwegen ist Deutschland ins Viertelfinale der Frauen-WM in Frankreich gefolgt. Die Skandinavierinnen bezwangen Australien im Elfmeterschießen mit 4:1. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 1:1 (1:1, 1:0) gestanden.

Beide Teams begegneten sich am Samstagabend (22.06.19) in Nizza mit offenem Visier. Die Zuschauer im Stade de Nice sahen ein temporeiches Spiel, in dem die Australierinnen durch Hayley Raso die erste Chance besaßen. Den Schuss der 24-Jährigen konnte Keeperin Ingrid Hjelmseth parieren (6.). Viel mehr hatte die Schlussfrau bis zur Pause nicht zu tun. Den "Matildas" mangelte es in der Vorwärtsbewegung an Präzision. Starstürmerin Samantha Kerr, die im Gruppenspiel gegen Jamaika (4:1) viermal erfolgreich war, kam in den ersten 45 Minuten kaum zur Geltung. Sie wartete in vorderster Front vergeblich auf brauchbare Pässe. Zudem stand ihr Norwegens Kapitänin Maren Mjelde ständig auf den Füßen.

Herlovsen bringt Norwegen in Front

Norwegens Isabell Lehn Herlovsen jubelt © imago images / Bildbyran Foto: imago images / Bildbyran

Isabell Herlovsen bejubelt die verdiente Führung für Norwegen.

Die Skandinavierinnen spielten etwas schnörkelloser nach vorn - allerdings nahezu nur über den rechten Flügel. Die dort positionierte Caroline Hansen war ein ständiger Unruheherd für Ausraliens Abwehr. Am 1:0 war die künftige Angreiferin des FC Barcelona, deren Einsatz wegen einer Knöchelverletzung fraglich war, jedoch nicht beteiligt: Karina Saevik passte fein in die Tiefe zu Isabell Herlovsen, die Torhüterin Lydia Williams mit einem Schuss ins kurze Eck überwand (31.). Die Führung war nicht unverdient für die insgesamt etwas zielstrebiger auftretende Elf von Trainer Martin Sjögren. Kurz vor der Pause hatten die Nordeuropäerinnen allerdings Glück. Die deutsche Unparteiische Riem Hussein hatte nach einer etwas ungelenk wirkenden Abwehraktion von Maria Thorisdottir - sie bekam den Ball an den Oberkörper - auf den Elfmeterpunkt gezeigt. Nach Rücksprache mit dem Video-Schiedsrichterassistenten Felix Zwayer und Ansicht der TV-Bilder nahm die 38-Jährige ihre Entscheidung "Handspiel" dann aber zurück (45.).

Australien jubelt nach direkt verwandelter Ecke

Die Australiernnen kamen mit jeder Menge Wut im Bauch aus der Kabine. Sie bestürmten sofort das norwegische Tor und wären durch Caitlin Foord beinahe zum Ausgleich gekommen. Ihr akrobatischer Abschluss verfehlte das Ziel jedoch knapp (52.). Die "Matildas" setzten nach, blieben in ihren Offensivbemühungen aber glücklos. Für Norwegen ergaben sich gegen den mit fortwährender Spieldauer immer höher verteidigenden Kontrahenten einige vielversprechende Konterchancen. Die Sjögren-Equipe ließ sie ungenutzt. Das sollte sich rächen. Sieben Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit schlug Elise Kellond-Knight einen Eckstoß halbhoch vor das norwegische Gehäuse, der Ball flog an Freund und Feind vorbei in die Maschen. Das Momentum war nun auf Seiten der Australierinnen. Die letzte Gelegenheit vor der Verlängerung aber hatten die Europäerinnen: Hansens Schuss von der Strafraumkante prallte an den Innenpfosten (90.+3).

Risa scheitert in Verlängerung am Aluminium

Das um Zentimeter verpasste 2:1 kurz vor Ultimo war für die Norwegerinnen offenbar so etwas wie eine Initialzündung. Sie griffen in der ersten Hälfte der Verlängerung jedenfalls wieder forscher an. Vilde Boe Risa (95.) und Hansen (99.) scheiterten jeweils an Williams, bevor Alanna Kennedy die Rote Karte sah (104.). Die Australierin hatte Lisa-Marie Utland zu Boden gerissen, die auf dem Weg zum Tor war. Ein Lattenschuss von Risa aus der Distanz (105.+5) rundete die spektakuläre erste Hälfte der Extrazeit schließlich ab. Die Skandinavierinnen waren auch nach dem Seitenwechsel drückend überlegen. Sie wollten eine Elfmeter-Lotterie unbedingt vermeiden, waren im Abschluss aber weiter zu nervenschwach. So musste die Entscheidung im Penaltyschießen fallen.

Kerr und Gielnik versagen die Nerven

Und in diesem versagten den ersten beiden Schützinnen der Australierinnen, Kerr (vorbei) und Emily Gielnik (scheiterte an Hjelmseth), die Nerven, während Norwegen alle seine vier Elfmeter durch Hansen, Guro Reiten, Mjelde und Ingrid Syrstad Engen verwandelte. Für die "Matildas" war lediglich Steph Catley zum zwsichenzeitlichen 1:3 erfolgreich.

FIFA Frauen WM 2019
Norwegen : Australien

22.06.19 21:00 Uhr, Finalrunde

Norwegen

Hjelmseth - Wold (102. Hansen), Mjelde, Thorisdottir, Minde - Saevik (72. Maanum), Risa, Engen, Reiten - Graham Hansen, Herlovsen (77. Utland)

5

Australien

Williams - Carpenter (120.+2 Harrison), Kennedy, Catley, Kellond-Knight (94. Polkinghorne) - Logarzo, Van Egmond (116. Roestbakken), Yallop - Raso (74. Gielnik), Kerr, Foord

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Ergebnis

  • 5:2 n.E. (1:1, 1:1, 1:0)

Tore

Elfmeterschießen

Strafen

Bes. Vorkommnisse

  • Rücknahme Handelfmeter (Australien) nach Videobeweis (45.)

Ort

  • Nizza

Stadion

Zuschauer

  • 12229

Schiedsrichter

  • Riem Hussein (Deutschland)

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 08.06.2019 | 16:00 Uhr

Stand: 22.06.19 23:59 Uhr