Die niederländische Nationalspielerin Sherida Spitse (l.) im Duell mit der Kanadierin Sophie Schmidt © imago images / VI Images

07:28 min | 20.06.2019 | Das Erste

Niederlande holt sich den Gruppensieg - die Highlights

Drittes Spiel, dritter Sieg: Europameister Niederlande geht mit weißer Weste ins Achtelfinale. Gegen Kanada gab es in einem munteren Spiel einen 2:1-Sieg. Beide Teams waren bereits für die K.o-Runde qualifiziert.

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Niederlande gewinnen "Endspiel" um den Gruppensieg

von Hanno Bode

Europameister Niederlande ist verlustpunktfrei ins WM-Achtelfinale eingezogen. Die "Oranje Leeuwinnen" gewannen das "Endspiel" um den Gruppensieg gegen Kanada mit 2:1 (0:0) und treffen nun im Achtelfinale am kommenden Dienstag (25.06.19) auf Vize-Weltmeister Japan.

Das Stade Auguste-Delaune war am Donnerstagabend (20.06.19) nahezu ganz in orange getaucht. Über 6.000 Fans der niederländischen Nationalmannschaft hatten den Weg nach Reims gefunden, um den Europameister beim Kampf um den Sieg in der Gruppe E gegen Kanada zu unterstützen. Doch bereits nach rund einer Minute stockte dem Anhang der "Oranje Leeuwinnen" der Atem. Schiedsrichterin Stéphanie Frappart hatte auf den Elfmeterpunkt gezeigt, nachdem Janine Beckie im Strafraum zu Fall gekommen war. Die niederländische Rechtsverteidigerin Desiree van Lunteren hatte sie an der Ferse berührt und ins Straucheln gebracht. Frappart erhielt nach ihrem Pfiff allerdings einen Hinweis von Videoschiedsrichter Felix Zwayer (Berlin), sich die Szene doch noch einmal selbst am Bildschirm anzugucken. Die französische Unparteiische begab sich zum Spielfeldrand, schaute auf den dort stehenden Monitor und revidierte ihre Entscheidung. Statt Straf- gab sie nun Freistoß, da van Lunteren Beckie ganz kurz vor dem Strafraum touchiert hatte, wie die Bilder zeigten. Den ruhenden Ball drosch Christine Sinclair uninspiriert in die Mauer - Durchatmen beim Europameister.

"Oranje" im Vorwärtsgang - Kanada abwartend

Hernach tauchte der Olympia-Dritte von 2012 nur noch temporär vor dem gegnerischen Kasten auf. Kanada überließ - ob gewollt oder nicht - den Niederländerinnen die Spielgestaltung. Und das Team von Trainerin Sarina Wiegman machte seine Sache gegen den recht tief stehenden Kontrahenten durchaus gut. Immer wieder suchte es den Weg über die Flügel. Insbesondere die in den ersten beiden Gruppenspielen noch nicht überzeugende Shanice van de Sanden sorgte über die rechte Seite für viel Druck. Die 26-Jährige war nahezu an jedem gefährlichen Angriff ihrer Mannschaft beteiligt. In der 30. Minute hätte van de Sanden beinahe für die Führung gesorgt, als ihr eine Flanke über den Schlappen rutschte und sich auf die Latte senkte. Kurz darauf brachte sie mit einem Pass Vivianne Miedema in Position, deren Schuss aus der Drehung an den Pfosten prallte (33.).

Und auch die dritte gute "Oranje"-Chance leitete die Lyon-Angreiferin mit einer Flanke ein: Danielle van de Donk hätte sie beinahe per Fallrückzieher verwertet. Beinahe, weil der Kunstschuss Zentimeter über den Balken flog und zudem Schiedsrichterin Frappart auf gefährliches Spiel entschied (34.). Und Kanada? Kreativität hatte die Equipe von Coach Kenneth Heiner-Möller im ersten Abschnitt nicht in ihrem Portfolio. In der Vorwärtsbewegung zeigte der Fünfte der FIFA-Weltrangliste eine enttäuschende Leistung.

Sinclair kontert Dekkers Führungstor

Die niederländische Nationalspielerin Shanice van de Sanden (l.) im Duell mit der Kanadierin Christine Sinclair © imago images / VI Images

Christine Sinclair (r.) traf zum zwischenzeitlichen 1:1 für Kanada.

Neun Minuten nach dem Seitenwechsel war das Glück der Kanadierinnen dann aufgebraucht. Nach einem Freistoß von Sherida Spitse stieg Anouk Dekker am höchsten und traf zum 1:0. Es war das erste Gegentor für Keeperin Stephanie Labbe beim Turnier in Frankreich. Es spricht für die Klasse des Heiner-Möller-Teams, dass es anschließend sofort in der Lage war, die Schlagzahl zu erhöhen. Plötzlich kombinierte Kanada flüssiger und agierte zielstrebiger. Und der Lohn der Mühen ließ nicht lange auf sich warten: Sinclair rutschte in eine präzise Hereingabe von Ashley Lawrence hinein und traf zum 1:1 (60.). Es war der 181. Nationalmannschafts-Treffer der 36-Jährigen. Er änderte allerdings nichts am Tabellenstand in der Gruppe E. Die Niederlande blieben aufgrund der besseren Tordifferenz weiterhin Erster.

Eingewechselte Beerensteyn sorgt für Entscheidung

Die Wiegman-Elf hätte sich also zurückziehen und auf Remis spielen können. Stattdessen suchte diese stets offensiv ausgerichtete Mannschaft die Entscheidung. Mit Erfolg. Nach einer Hereingabe von van Lunteren bekam Schlussfrau Labbe den Ball nicht zu fassen, sodass die kurz zuvor eingewechselte Lineth Beerensteyn nur noch den Fuß hinhalten musste (75.). Kanada drängte hernach zwar auf den abermaligen Ausgleich. Am Ende blieb es jedoch beim verdienten Erfolg der "Oranje Leeuwinnen", die in dieser Form auch gegen bisher wenig überzeugende Japanerinnen gute Chancen haben sollten. Auf Kanada wartet in der Runde der letzten 16 derweil Schweden.

FIFA Frauen WM 2019
Niederlande : Kanada

20.06.19 18:00 Uhr, Spieltag 3 · Vorrunde, Gruppe E

Niederlande

Van Veenendaal - Van Lunteren, Dekker, Bloodworth, Van Dongen - Spitse (70. Roord), Van De Donk (87. Jansen), Groenen - Van De Sanden, Miedema, Martens (70. Beerensteyn)

2

Kanada

Labbe - Lawrence, Buchanan, Zadorsky, Chapman (69. Riviere) - Fleming, Scott (78. Quinn), Schmidt - Huitema, Sinclair (68. Leon), Beckie

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Ergebnis

  • 2:1 (0:0)

Tore

Strafen

Bes. Vorkommnisse

  • Foulelfmeter (Kanada) nach Videobeweis zurückgenommen (4.).

Ort

  • Reims

Zuschauer

  • 19277

Schiedsrichter

  • Stéphanie Frappart (Frankreich)

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 08.06.2019 | 21:00 Uhr

Stand: 20.06.19 23:14 Uhr