Szene aus dem WM-Spiel England gegen USA: Jubelnde Amerikanerinnen auf dem Spielfeld. © dpa picture alliance Foto: John Walton

02:31 min | 02.07.2019 | Das Erste | Autor/in: Neumann, Jan

England - USA 1:2

Auch ohne Torjägerin Rapinoe schaffte Titelverteidiger USA mit einem 2:1-Sieg über England den Sprung ins WM-Finale. Es war ein Spiel mit Hochgeschwindigkeitsfußball in Lyon.

WM-Halbfinale

Finale! USA besiegen England "mit Köpfchen" und Glück

von Uli Petersen

Die USA haben zum dritten Mal in Folge, aber nur mit viel Glück das WM-Endspiel erreicht. Der Titelverteidiger gewann - ohne Superstar Megan Rapinoe - ein umkämpftes, mitreißendes und bis zum Schlusspfiff spannendes Halbfinale gegen England durch zwei Kopfballtreffer mit 2:1 (2:1). Im Finale am Sonntag (07.07.19, 17.00 Uhr, live im Ersten und auf sportschau.de) treffen die Amerikanerinnen auf die Siegerinnen des zweiten Halbfinals zwischen den Niederlanden und Schweden am Mittwoch (03.07.19, 21.00 Uhr, ebenfalls live im Ersten und auf sportschau.de).

Das Halbfinale im Grand Stade de Lyon hatte am Dienstag (02.07.19) noch gar nicht begonnen, da gab es bereits den ersten Knalleffekt: In der USA-Startelf fehlte Stürmerin Megan Rapinoe, die bereits fünf Tore bei diesem Turnier erzielt hat - wegen einer leichten Oberschenkelverletzung, wie erst nach dem Spiel bekannt wurde. Trainerin Jill Ellis setzte auf dem linken Flügel im 4-3-3 auf Christen Press. Mit Ungläubigkeit und Kopfschütteln wurde der zunächst nicht begründete Wechsel in der Offensive wohl von allen im Stadion zur Kenntnis genommen. Aber: Er zahlte sich für die USA in deren stürmischer Anfangsphase tatsächlich aus! Nach Kelley O'Haras Flanke köpfte Press den Ball in der zehnten Minute zur frühen Führung für den Titelverteidiger ins Netz.

Waren die Engländerinnen in der ersten Viertelstunde klar unterlegen, kämpften sie sich dann aber ins Match zurück. Die USA passten bei einem Angriff der "Lionesses" über die linke Seite nicht auf - und schon war der Ausgleich da: Beth Meads Flanke vollendete in der Mitte Ellen White zum 1:1 (19.). Für die Stürmerin mit dem "Anthony-Modeste"-Jubel war es der sechste Treffer im fünften Turnierspiel.

Morgan beschenkt sich selbst

Szene aus dem WM-Spiel England gegen USA: Alex Morgan klatscht nach dem Spielende in die Hände. © dpa picture alliance Foto: John Walton

Sechs Treffer: Alex Morgan führt die WM-Torschützinnenliste zusammen mit der Engländerin Ellen White an.

War die Partie bereits bis dahin mit hohem Tempo über die Bühne gegangen, ging es nach dem Ausgleich noch intensiver zur Sache. Beide Teams wussten nun: Die Gegnerinnen sind in der Abwehr verwundbar. Rose Lavelle prüfte Englands Keeperin Carly Telford mit einem satten Schuss (25.), auf der anderen Seite unterlief US-Verteidigerin Becky Sauerbrunn nach einer Keira-Walsh-Flanke per "Querschläger" fast ein Eigentor (28.).

Nach einer halben Stunde blätterte Alex Morgan das nächste Kapitel des Spiels auf: An ihrem 30. Geburtstag überwand auch sie Schlussfrau Telford per Kopf, nachdem Lindsey Horan die englische Innenverteidigung mit einem "Kunstwerk" von Flanke ins Zentrum überlistet hatte - 2:1 für die Rekord-Weltmeisterinnen (31.). Kapitänin Morgan hatte White an der Spitze der Torschützenliste mit nun ebenfalls sechs Treffern wieder eingeholt.

Es spricht für die Engländerinnen, dass sie auch den erneuten Rückstand nicht als Rückschlag, sondern als Aufbruchssignal interpretierten. Walsh zwang US-Keeperin Alyssa Naeher mit einem Schuss aus knapp 20 Metern zu einer Flugshow inklusive sehenswerter Parade im rechten Eck (33.). Die Amerikanerinnen zeigten sich in ihrem 4-3-3 hinten weiter anfällig, schafften es mit ihrem druckvollen Offensivspiel aber, den Ball meist weit genug vom eigenen Strafraum wegzuhalten.

Ausgleich? White ganz knapp im Abseits!

Nachdem Schiedsrichterin Edina Alves Batista aus Brasilien die zweite Halbzeit angepfiffen hatte, sahen die gut 53.000 Zuschauer in Lyon bei noch immer knapp 30 Grad Celsius ein weiter hitziges und vor allem umkämpftes Duell. Den 51 Zweikämpfen vor dem Seitenwechsel sollten bis zum Schlusspfiff noch 63 weitere folgen.

Die Engländerinnen mussten auf den Pausen-Rückstand reagieren - und nahmen ihre Rolle durchaus an: Sie machten mit viel Ballbesitz das Spiel, versuchten auch immer wieder, schnell an den Strafraum der USA zu gelangen. Dort aber machte die Abwehr der Amerikanerinnen weiter konzentriert ihren Job - und ließ so den "Lionesses" kein Durchkommen. Je länger die Partie dauerte, desto sicherer fühlten sich die Titelverteidigerinnen trotz der nur knappen Führung. Das aber wussten die Engländerinnen um ein Haar zu bestrafen: Das vermeintliche 2:2 durch White nach einem schnellen Angriff durch die Mitte zählte nach Videobeweis wegen einer ganz knappen Abseitsstellung zu Recht nicht (67.).

Spektakuläre Schlussphase mit unglücklichem Ende für England

Szene aus dem WM-Spiel England gegen USA: Torhüterin Alyssa Naeher hat den Ball nach einem gehaltenen Elfmeter in den Händen. © dpa picture alliance Foto: John Walton

US-Keeperin Alyssa Naeher (2.v.l.) hielt in der dramatischen Schlussphase einen Foulelfmeter.

Die Schlussphase wurde dramatisch: Die USA verteidigten mit einer Fünferabwehr, England lief mit dem Mute der Verzweiflung an. In der 80. Minute ging White im Strafraum bei einem Schussversuch zu Boden. Erst nach minutenlangem Videobeweis zeigte Referee Alves Batista auf den Punkt: Foulelfmeter für England! Kapitänin Steph Houghton übernahm die Verantwortung, schoss aber weder scharf noch platziert nach unten links. Dorthin flog auch Keeperin Naeher - und hielt den Ball sogar noch fest (84.). Die USA jubelten ein drittes Mal an diesem Abend, die "Lionesses" reagierten wie zuvor: Kopf hoch und weiter! Die Gelb-Rote Karte gegen Millie Bright wegen wiederholten Foulspiels (86.) war dann für England der traurige Schlusspunkt an einem Abend, an dem sie zusammen mit den USA für ein denkwürdiges Fußballspiel gesorgt hatten. "Wir sollten keine Tränen in den Augen haben, wir sollten stolz sein. Wir haben alles gegeben", sagte Trainer Phil Neville nach dem Schlusspfiff - und zeigte damit auch im Moment der Niederlage Größe.

Die USA wollen am Sonntag dem elften Sieg in einer WM-Partie in Folge (Rekord!) den zwölften folgen lassen. "Wir sind aus einem Grund hier: um den WM-Pokal zu gewinnen", sagte US-Trainerin Ellis nach dem Spiel gegen England. Auf ihren Superstar kann die Fußballlehrerin bei diesem Vorhaben aller Voraussicht nach bauen: Im Finale werde sie wieder einsatzbereit sein, so Rapinoe am späten Dienstagabend.

FIFA Frauen WM 2019
England : USA

02.07.19 21:00 Uhr, Finalrunde

England

Telford - Bronze, Houghton, Bright, Stokes - Walsh (71. Moore), J. Scott, Mead (58. Kirby), Daly (89. Stanway) - Parris, White

1

USA

Naeher - O´Hara (87. Krieger), Dahlkemper, Sauerbrunn, Dunn - Horan, Ertz, Lavelle (65. Mewis) - Heath (80. Lloyd), Morgan, Press

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Ergebnis

  • 1:2 (1:2)

Tore

Strafen

Bes. Vorkommnisse

  • Rücknahme Tor (England) wegen Abseits nach Videobeweis (67.)
  • Foulelfmeter (84.) nach Videobeweis (England).
  • Naeher (USA) hält Foulelfmeter(84.) von Houghton (England).

Ort

  • Décines-Charpieu

Zuschauer

  • 53512

Schiedsrichter

  • Edina Alves Batista (Brasilien)

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 03.07.2019 | 20:15 Uhr

Stand: 03.07.19 00:02 Uhr