Interview

Jubel um die deutsche Nationalspielerin Alexandra Popp © picture alliance/firo Sportphoto Foto: Jürgen Fromme

02:52 min | 03.06.2019 | Das Erste | Autor/in: Inka Blumensaat

Alexandra Popp freut sich auf ihre dritte WM

Die FIFA Frauen WM in Frankreich 2019 geht Alexandra Popp selbstbewusst an. Die deutsche Nationalspielerin ist zum dritten Mal bei den Titelkämpfen dabei, das erste Mal als Kapitänin.

Deutsches Team

Popp: "Stimmung? In Frankreich boxt der Papst!"

Alexandra Popp führt die deutsche Frauen-Nationalmannschaft als Kapitänin zur WM. Im Sportschau-Interview spricht die Stürmerin über die Ziele, die Bundestrainerin und die Stimmung in Frankreich.

Was ist drin für die deutschen Frauen bei der Weltmeisterschaft in Frankreich? Die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat die Qualifikation für Olympia als Ziel ausgegeben. Kapitänin Alexandra Popp hofft allerdings, dass noch mehr geht und die Mannschaft am Ende den dritten Weltmeistertitel einfährt. Die 28-Jährige vom VfL Wolfsburg setzt auf die ansteigende Formkurve und freut sich besonders auf die Stimmung in den WM-Stadien.

Frau Popp, Sie waren schon bei vielen Turnieren dabei. Was ist das Besondere an einer Weltmeisterschaft?

Alexandra Popp: Erst mal natürlich, dass man den Ansporn hat und wir auch mit Deutschland die Qualität haben, oben mitzuspielen, um sich am Ende hoffentlich Weltmeister nennen zu dürfen. Andererseits wollen wir auf dem höchsten Niveau Fußball spielen - und bei einer Weltmeisterschaft können wir uns mit den Besten messen. Für einen selbst ist es sehr interessant zu wissen, ob man irgendwann an seine Grenzen stößt. Bei einer WM kann man unheimlich viel Erfahrung sammeln.

Was erwarten Sie von der Atmosphäre in Frankreich?

Popp: Ich glaube, dass es unheimlich laut und sehr cool wird. Man hat schon immer mal die Spiele von Olympique Lyon gesehen. Da boxt der Papst sozusagen. Auch bei Testspielen, zum Beispiel als wir gegen Frankreich gespielt haben. Da war das Stadion voll. Da war super Stimmung. Wenn man ins Stadion geht und weiß, dass die Zuschauer nur für dieses eine Spiel kommen oder noch für das, was danach kommt, ist es schön, dass sie nur für den Frauenfußball jubeln.

Wie ist die Gruppe mit Spanien, China und Südafrika einzuschätzen?

Die deutsche Nationalspielerin Alexandra Popp © picture alliance/dpa Foto: Joel Marklund

Alexandra Popp führt das deutsche Team erstmals als Kapitänin zu einem großen Turnier.

Popp: Ich glaube, es gibt wesentlich schwächere Gruppen. Ich würde behaupten, dass unsere eine der stärksten ist. Spanien ist nicht zu unterschätzen. Das Team ist sehr, sehr spielstark und nach vorne hin mit seinem Kombinationsspiel unheimlich stark. Hinten haben die Spanierinnen die eine oder andere Schwäche, aber können das immer ganz gut ausgleichen. Ich bin sehr gespannt, wie sie ins Turnier starten werden. China gehörte in den letzten Jahren eigentlich immer zu den Top-Mannschaften, ist schon Weltmeister geworden und hat angekündigt, wieder oben angreifen zu wollen. Auch da müssen wir unheimlich aufpassen. Südafrika ist für mich ein kleines Fragezeichen. Grundsätzlich weiß man aber, dass es bei Afrikanerinnen immer schwierig ist, sie mit ihrer Robustheit und Schnelligkeit zu bespielen. Zuletzt hat Südafrika mit dem Unentschieden gegen Schweden ein Ausrufezeichen gesetzt. Das wird für uns keine einfache Aufgabe - aber lösbar.

Wie wichtig ist der Gruppensieg? Als Zweiter könnte schon im Achtelfinale ein kleiner Albtraum drohen...

Popp (lacht): Natürlich wollen wir Gruppensieger werden. Das wird nicht einfach, klar. Doch wir haben die Qualität dafür. Die Mannschaft ist gerade sehr fokussiert und wenn wir es schaffen, so durch das Turnier zu ziehen, bin ich sehr guter Dinge. Es gilt die typische Floskel: Wenn man um den Titel mitspielen will, muss man alle schlagen. Aber wir müssen natürlich nicht schon im Achtelfinale auf die USA treffen.

Die USA gehören zum Favoritenkreis - wer kann noch um den Titel mitspielen?

Popp: Ich glaube, dass es diesmal unheimlich viele sind. Ich zähle die Französinnen dazu, auch wenn sie es in den letzten Turnieren nie geschafft haben, ganz vorn mitzuspielen. Aber sie entwickeln sich immer weiter und spielen einen sehr guten Ball. Außerdem kann die WM im eigenen Land unheimlich viel Auftrieb geben. Die Holländerinnen haben sich zwar nur so gerade eben qualifiziert, ich bin aber sehr gespannt, wie sie sich wieder ins Turnier reinkämpfen. Schweden ist auch nie zu unterschätzen. Ich bin auch sehr auf England gespannt. Die haben unheimlich viel getan in den letzten Jahren. Uns zähle ich auch dazu, wobei man schauen muss, wie wir reinkommen. Wir hatten einen kleinen Umbruch, haben es aber geschafft, aus diesem Loch wieder rauszukommen und sind auf einem sehr guten Weg.

Könnte es bei Deutschland mal wieder reichen?

Popp (lacht): Ich hoffe es natürlich, klar! Es ist aber schwer zu sagen. Das Prioritätsziel ist, dass wir uns für Olympia (Anm.d.Red.: Nach Tokio fahren die drei besten europäischen Teams) qualifizieren. Das bedeutet schon, dass wir weit kommen müssen. Man wird sehen, wie weit wir wirklich sind und wo wir stehen. Hoffentlich reicht es.

Deutschland hat in Frankreich kein festes Quartier. Wird es ein kleiner "Roadtrip"?

Popp: Das könnte man so sagen (lacht). Ich glaube aber, dass wir sehr gut aufgestellt sein werden. Wir werden uns trotz allem zwischen den Spielen sehr gut regenerieren können, damit wir für das nächste Spiel immer wieder top vorbereitet sind. Der DFB ermöglicht uns da eigentlich immer gute Bedingungen.

Trainerin Martina Voss-Tecklenburg (l./Jena) und die Duisburgerin Alexandra Popp im Jahr 2012. © picture alliance/dpa Foto: Carmen Jaspersen

Kennen sich schon lange: Trainerin Martina Voss-Tecklenburg (l.) und Stürmerin Alexandra Popp.

Zur noch recht neuen Nationaltrainerin: Sie kennen Martina Voss-Tecklenburg noch aus Ihrer gemeinsamen Zeit in Duisburg. Hat Sie sich sehr verändert?

Popp: Das finde ich ehrlich gesagt nicht. Sie macht ganz klare Ansagen, auch im Voraus schon. Wir haben zum Beispiel mal bei einem Regenerationstraining Fußballtennis gespielt. Sie hatte schon angekündigt, dass diejenige, die "rumdaddelt", gar nicht mit auf den Platz gehen muss, sondern sofort duschen geschickt wird. Das war nicht nur ein Satz, um den Spielerinnen Angst zu machen. Das macht sie wirklich! Ich habe das damals auf Vereinsebene selbst schon erlebt (lacht). Aber unsere Mannschaft braucht genau das - klare Ansagen und eine klare Linie. Und das gibt sie so vor.

Tut es gut, jetzt so eine strukturierte Trainerin zu haben - nach dem Loch, das Sie eben beschrieben haben?

Popp: Na klar! Wir wissen, wie wir zu spielen haben, wie ihre Philosophie ist, wie sie mit uns arbeiten und wo sie hin möchte. Das macht das Ganze für uns auch ein bisschen einfacher. Man hat auch schon gemerkt, auch wenn wir jetzt noch nicht so viel Zeit mit ihr verbracht haben, dass sie gut einschätzen kann, in welche Richtung wir als Mannschaft wollen. Nämlich in diesen Ballbesitz- und Offensivfußball. So möchte sie mit uns auch spielen und in den letzten Spielen hat das schon sehr gut funktioniert.

Das Interview führte Inka Blumensaat, aufgezeichnet von Florian Neuhauss

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 08.06.2019 | 16:00 Uhr

Stand: 29.04.19 14:30 Uhr