Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg © ARD Foto: ARD

04:27 min | 21.06.2019 | Das Erste

Voss-Tecklenburg: "Haben gesehen, wie wir sie knacken können"

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist zuversichtlich, den Achtelfinalgegner Nigeria besiegen zu können. Im ARD-Interview verrät sie, welche Schwächen sie erkannt hat.

Deutsches Team

Deutschland - Nigeria: Alles spricht für DFB-Frauen

von Florian Neuhauss aus Grenoble

Während die Nigerianerinnen am Tag vor dem Achtelfinale noch 850 km Anreise hinter sich bringen mussten, gehen die DFB-Frauen ausgeruht ins Spiel. Und womöglich ziehen sie sogar noch einen Joker.

Die Bilder gingen um die Welt. Als die Nationalspielerinnen von Nigeria am späten Donnerstagabend (20.6.19) in ihrem Hotel erfuhren, dass sie sich für das Achtelfinale bei der WM in Frankreich qualifiziert hatten, brachen alle Dämme. Grenzenlosem Jubel folgten Freudentränen und -tänze. Hätte die Chilenin Francisca Lara in der Schlussphase der Partie gegen Thailand den Elfmeter zum 3:0 verwandelt und wäre es bei diesem Ergebnis geblieben, hätten die Afrikanerinnen die Heimreise antreten müssen. So aber feierten sie ausgelassen - und treffen nun bereits am Samstag (22.6.19, ab 17.30 Uhr im Audiolivestream und im Liveticker bei sportschau.de) in Grenoble auf Deutschland.

"Die Nigerianerinnen haben ein Wellental der Emotionen durchschritten. Aber man hat an den Reaktionen genau gesehen, welche Bedeutung das Erreichen des Achtelfinales für sie hat. Es ist eine große Ehre für sie, dabei zu sein", sagte Bundestrainerin Voss-Tecklenburg am Tag vor dem Spiel. "Ich weiß noch von der WM in Kanada mit der Schweiz, wie sehr man sich auch als Gruppendritter über das Weiterkommen freut."

Bisher alle Spiele gegen Nigeria gewonnen

Das deutsche Team hätte es, wenn Lara keine Nerven gezeigt hätte, mit Brasilien und WM-Rekordtorschützin Marta zu tun bekommen. Die Südamerikanerinnen kamen in der starken Gruppe C auf sechs Punkte und sind damit der beste Gruppendritte. Auch wenn Deutschland zuletzt dreimal gegen Brasilien gewann, wäre es eine deutlich schwierige Aufgabe geworden. Dennoch sprach "MVT" in ihrer ersten Stellungnahme von Nigeria als "hartem Brocken" und fügte bei der Spieltags-Pressekonferenz hinzu, das Spiel sein "eine Herausforderung". Gegen die Afrikanerinnen hat Deutschland alle sieben bisherigen Spiele gewonnen. Der letzte Vergleich datiert allerdings auch schon aus dem Jahr 2011 - als die WM-Gastgeberinnen mit 1:0 siegten.

850 Kilometer Anreise am Tag vor dem Spiel

Während die deutsche Mannschaft nun schon seit ein paar Tagen in Grenoble weilt, kam der nigerianische Tross erst am Freitag (21.6.19), also einen Tag vor dem Spiel, am frühen Nachmittag in den Alpen an. Wegen der unklaren Lage hatten die Afrikanerinnen in Rennes, wo sie vor vier Tagen ihr letztes Gruppenspiel gegen Frankreich 0:1 verloren hatten, verharrt. "Hätte uns diese Konstellation betroffen, wäre es natürlich nicht so toll", sagte Voss-Tecklenburg. "Nach so einer emotionalen Achterbahnfahrt kann man ja auch nicht gut schlafen. Dann kommt die Reise und morgen ist schon das Spiel. Mehr brauche ich dazu wohl nicht sagen..." Knapp 850 Kilometer liegen zwischen Rennes und Grenoble. Immerhin konnten die Nigerianerinnen einen Teil der Strecke mit dem Flugzeug hinter sich bringen.

Ganze Arbeit der Scoutingabteilung und Analysten

Deutschlands Probleme sind hingegen nur minimal. "Wir konnten die Gegnervorstellung einen Tag später machen", erklärte "MVT". Wobei das sogar ein Vorteil sein könnte, "weil dann die Eindrücke im Spiel noch frischer sind". Durch die große Scoutingabteilung und die Analysten war der DFB ohnehin auf alle Eventualitäten vorbereitet. Die Nigerianerinnen hätten ein gutes Umschaltspiel und schnelle Stürmerinnen, dazu seien sie zweikampfstark, erklärte die Bundestrainerin. Sie hatte aber, nur einen halben Tag nachdem der Gegner feststand, schon "viele Räume gesehen, in denen wir sie knacken können".

Marozsán kehrt ins Training zurück

Und auch wenn das womöglich gar nicht nötig ist, weil Deutschland erneut als klarer Favorit ins Spiel geht, hat Voss-Tecklenburg womöglich sogar noch einen Joker in der Hinterhand. Dzsenifer Marozsán könnte schon im Achtelfinale wieder eingreifen. "Sie wird heute mittrainieren, und dann schauen wir, wie der Fuß reagiert", meinte die Bundestrainerin. Nach ihrem Zehenbruch muss die Spielmacherin entscheiden, wie sie mit dem sicherlich noch vorhandenen Schmerz umgehen kann. "MVT" sagte: "In der Startformation wird sie sicher nicht stehen, aber wir halten uns alle Optionen offen."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 23.06.2019 | 17:00 Uhr

Stand: 21.06.19 17:08 Uhr