Nationalmannschafts-Managerin Doris Fitschen © picture-alliance/CITYPRESS24

Deutsches Team

WM-Countdown: In "Hogwarts" reifen Titelträume

von Ines Bellinger aus Ottawa

Im "Zauberschloss" von Ottawa verwandeln sich selbst eingefleischte Langschläfer zu Frühaufstehern. Die Spielerinnen, die morgens normalerweise kaum aus dem Bett zu kriegen sind, sitzen als Erste am Frühstückstisch im imposanten WM-Quartier am Rideau-Kanal.

Abgesehen vom Jetlag und den kühlen Temperaturen ist die Eingewöhnung der deutschen Fußballerinnen im Luxushotel "Fairmont Chateau Laurier" schon weit fortgeschritten. An "Hogwarts" aus den Harry-Potter-Filmen erinnert Alexandra Popp die historische Residenz mit dem Kupferdach und den vielen Türmen, in der sich die DFB-Frauen auf ihrer Etage mit selbstgestalteten Plakaten wohnlich eingerichtet haben. Selbst mit dem Kunstrasen fremdeln die WM-Kickerinnen nicht mehr so wie noch im Trainingslager in der Schweiz.

Kein Kommentar zu Blatter-Rücktrit

Es wird auch langsam Zeit, dass die letzten Stellschrauben justiert werden. Am Sonntag startet das Team von Bundestrainerin Silvia Neid in die Mission "Dritter Stern". Auf dem Weg zum dritten WM-Titel nach 2003 und 2007 soll gegen Neuling Elfenbeinküste (22 Uhr/live im ZDF) der erste Schritt gemacht werden. Das Ziel ist das Finale vier Wochen später in Vancouver (5.7.2015). "Wir träumen vom Titel, das heißt aber nicht, dass wir unbedingt Weltmeister werden müssen. Diese Überheblichkeit haben wir nicht", sagte Teammanagerin Doris Fitschen bei der ersten Pressekonferenz der DFB-Frauen in Ottawa. Den kurz zuvor bekannt gewordenen Rücktritt des FIFA-Präsidenten wollte Fitschen mit Verweis auf fehlende Hintergrund-Informationen nicht kommentieren. Eigentlich hätte Sepp Blatter die WM am Samstag (6.6.2015) eröffnen sollen.

Deutsches Team

Der deutsche WM-Kader im Überblick

Kuschelkissen mit Botschaft

Aus seinem WM-Tunnel will sich das deutsche Team nicht so leicht holen lassen. Mittelfeldspielerin Melanie Leupolz vom Deutschen Meister Bayern München präsentierte am Dienstag (Ortszeit) ein Kuschelkissen mit der Aufschrift "#Titeltraum". Das von Bundestrainerin Silvia Neid nach der Bauchlandung bei der Heim-WM vor vier Jahren weitgehend gemiedene "T-Wort" ist dank der Internetkampagne des Hauptsponsors der Frauen-Nationalmannschaft nun doch in aller Munde. Unter dem Hashtag "Titeltraum" werden in den sozialen Netzwerken Nachrichten von Fans der DFB-Frauen gebündelt. Mit den dort veröffentlichten Botschaften wurden Trikots bedruckt, die die Spielerinnen am Dienstag im Nachmittagstraining trugen. "Wir mit euch und ihr mit uns - auf zum dritten Stern" oder "One team, one dream - we for Canada" war darauf zu lesen. Dass diese Aktion die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit wieder in die Höhe treiben könnte, befürchtet Fitschen nicht. "Als Sportler muss man sich Ziele setzen, und das ist kein unrealistisches Ziel, aber ein anspruchsvolles", sagte sie. "Wir wissen alle, es ist ein steiniger und langer Weg dahin."

Teams teilen sich Hotel und Trainingsplätze

Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Melanie Leupolz © picture-alliance/dpa Foto: Patrick Seeger

Sieht keinen Redebedarf mit ihren Gegnerinnen: Melanie Leupolz.

Er beginnt mit dem Spiel gegen die international bisher kaum in Erscheinung getretene Elfenbeinküste. Die Afrikanerinnen haben im Vorfeld darauf geachtet, so wenig wie möglich von sich preiszugeben. "Wir haben Bilder, aber die sind schon etwas älter", berichtete Fitschen von den vergeblichen Bemühungen um aktuelles Videomaterial aus Afrika. Es gäbe immerhin die Möglichkeit, die Spielerinnen persönlich in Augenschein zu nehmen, denn in den Spielorten wohnen immer vier Teams in einem von der FIFA zugewiesenen Hotel, und sie müssen sich drei Trainingsplätze teilen. Aber zumindest Melanie Leupolz hat keinerlei Interesse, vor dem sportlichen Kräftemessen mit dem Gegner Kontakt aufzunehmen. "Ich wüsste auch gar nicht, was ich mit denen besprechen sollte", sagte die 21 Jahre alte WM-Debütantin. "Ich finde gut, dass wir einen eigenen Speisesaal haben, denn ich möchte den Fokus lieber auf meine Mannschaft setzen." Wie Leupolz haben alle deutschen Spielerinnen ein personalisiertes Titeltraum-Kissen mit Namen und Trikotnummer bekommen. Wenn der süße Traum in Erfüllung geht, wird es zum Renner werden, wenn er wie eine Seifenblase platzt, wird wohl niemand mehr sein Haupt darauf betten wollen.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 02.06.15 21:50 Uhr