Celia Sasic (l.) und Laura Bassett verzweifelt. (Bildmontage) © picture alliance / Photoshot

Spiel um Platz 3

Deutschland - England: Duell der Enttäuschten

Wenn Deutschland am Samstag (04.07.2015/22 Uhr MESZ, live im Ersten und ab 21.05 Uhr bei sportschau.de) im "kleinen Finale" auf England trifft, kommt es zum Duell der Enttäuschten. Dennoch wollen beide Teams unbedingt als WM-Dritter die Heimreise antreten.

"Der Schock und die Enttäuschung sitzen noch tief", bekannte Melanie Leupolz bei der Abreise von Montréal ins viereinhalb Flugstunden entfernte Edmonton, wo das Spiel um Platz drei ausgetragen wird. Nur zu gerne wären die DFB-Frauen nach Vancouver geflogen: Dort findet am Sonntag das Endspiel statt. Doch der Traum vom dritten WM-Titel ist nach dem unglücklichen, aber nicht unverdienten 0:2 im Halbfinale gegen die USA geplatzt. Sowohl das Reise- als auch das sportliche Ziel fallen nun notgedrungen anders aus. "Wir müssen das Spiel jetzt abhaken. Es wäre schon ein Erfolg, wenn wir als drittbeste Mannschaft der Welt nach Hause kommen", sagte Leupolz. Und auch Linksverteidigerin Tabea Kemme betonte: "Ab jetzt müssen wir wieder nach vorne blicken. Es geht noch um den dritten Platz und den wollen wir uns auf jeden Fall krallen. Wir wollen diese Medaille haben."

Krahn feiert 30. Geburtstag

Der Umzug per Chartermaschine und die neue Umgebung halfen dabei, die schmerzhafte Niederlage zumindest schon einmal räumlich hinter sich zu lassen. Und auch Annike Krahn wurde an ihrem 30. Geburtstag, den sie so viel lieber im Final-Ort Vancouver verbracht hätte, noch standesgemäß mit einer Rede von Torwarttrainer Michael Fuchs, einem Ständchen sowie einem Schoko-Geburtstagkuchen gefeiert. Schon wieder lächeln konnte beim Spaziergang rund um das Westin-Hotel in Downtown Edmonton auch Celia Sasic. Die deutsche Stürmerin, die mit sechs Treffern die WM-Torschützenliste anführt, hatte sich nach ihrem verschossenen Elfmeter gegen die USA große Vorwürfe gemacht. "Wir geben ihr das Gefühl, dass wir die ganze Schuld und Enttäuschung zusammen tragen", sagte Leupolz.

Sampson: Laura Bassett "eine absolute Heldin"

Bei Deutschlands Gegner England ist indes die Erinnerung an die Niederlage im Halbfinale nicht nur frischer, sondern auch um einiges dramatischer. Die Mannschaft von Trainer Mark Sampson unterlag Titelverteidiger Japan in der Nacht zum Donnerstag (02.07.15) durch ein kurioses Eigentor von Routinier Laura Bassett in der zweiten Minute der Nachspielzeit und tritt das Spiel um Platz drei nach eigenen Angaben "mit gebrochenem Herzen" an. Die 31-Jährige, deren Klärungsversuch zum 1:2 ins eigene Tor rutschte, war nach dem Abpfiff untröstlich - und Sampson bis ins Mark getroffen: "Sie ist mutig und stark, hat dieses Team zusammengehalten. Ohne sie hätten wir nie das Halbfinale erreicht. Sie hat das nicht verdient, sie ist eine absolute Heldin", betonte der sichtlich aufgewühlte Coach, der mit geröteten Augen auf der Pressekonferenz erschien. Auch seine Spielerinnen weinten hemmungslos. "Fußball kann so grausam sein", konstatierte Kapitänin Steph Houghton geschockt.

DFB-Frauen sind gewarnt

Die Engländerinnen, die in Kanada zum ersten Mal überhaupt ein K.o-Spiel in ihrer WM-Geschichte gewonnen hatten, waren als Außenseiter ins Halbfinale gegangen. Doch sie überraschten Japan mit Tempo und Spielkunst und waren dem Weltmeister mindestens ebenbürtig. "Sie haben eine ganze Nation inspiriert. Sie verdienen es, als Heldinnen nach Hause zu fahren. Wir sind alle stolz auf sie", unterstrich Sampson. Das klingt nach einer Kampfansage an die deutsche Mannschaft, die gewarnt ist. "Die Engländerinnen haben im Turnierverlauf gezeigt, dass sie eine sehr gute Mannschaft sind", sagte Krahn über den Gegner zum WM-Abschluss: "Trotz der Niederlage werden sie selbstbewusst gegen uns antreten." Die Bilanz spricht allerdings eindeutig für Deutschland: In bislang 20 Vergleichen konnte England noch nie gewinnen (18 Niederlagen, zwei Remis).

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 02.07.15 12:05 Uhr