Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Simone Laudehr jubelt über ihr Tor im WM-Finale 2007 gegen Brasilien (Archivbild). © picture alliance/Pressefoto Ulmer Foto: Pressefoto Ulmer/Markus Ulmer

Mittelfeld

Simone Laudehr: Die Kilometerfresserin

Mit ihrem überschwänglichen Torjubel im WM-Finale 2007 wurde Simone Laudehr berühmt. Seinerzeit war die Dauerläuferin vom 1. FFC Frankfurt noch ein Greenhorn im DFB-Team. Heute zählt die Sportsoldatin zu den Korsettstangen des Rekord-Europameisters.

Es ist dieser Torjubel, der Simone Laudehr berühmt gemacht hat: die Augen geschlossen, der lachende Mund weit aufgerissen, der Waschbrett-Bauch entblößt. Vier Minuten vor dem Abpfiff des WM-Endspiels 2007 gegen Brasilien hatte sie per Kopf das 2:0 erzielt und die erfolgreiche Titelverteidigung in China perfekt gemacht.

Viel zu schnell von null auf hundert

Nicht einmal zwei Monate vor der WM hatte die Mittelfeldspielerin ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft gefeiert, und nun war sie plötzlich in aller Munde. Ihren WM-Treffer wählten die Zuschauer der ARD-Sportschau zum "Tor des Monats". Laudehr hetzte nun von Termin zu Termin und fiel kurz darauf in ein mentales Loch. "Es ging damals von null auf hundert - viel zu schnell für eine junge Spielerin", sagt Laudehr in der Rückschau. Sie bekam Schlafstörungen und dachte sogar über das Ende ihrer Karriere nach. Erst Monate nach dem WM-Triumph war sie wieder die lebenslustige junge Frau, die Freunde und Familie kennen.

"Simon" spielt auch gut Tennis

"Simon" wurde in Regensburg geboren und bekam das sportliche Talent in die Wiege gelegt. Ihr Mutter Doina war eine rumänische Leichtathletin. Sie förderte den Bewegungsdrang ihrer Tochter, die schon als Dreijährige mit den Jungs kickte. Obwohl sie auch hervorragend Tennis spielte, entschied sich Laudehr früh für den Fußball. Über den FC Tegernheim und den SC Regensburg kam sie mit 17 Jahren zum FC Bayern München. Nach nur einer Saison wechselte sie 2004 zum FCR Duisburg und blieb acht Jahre am Niederrhein.

Schwerer Weg zurück nach Knie-OP

Steckbrief Simone Laudehr

Position: Mittelfeld
Trikotnummer: 6
Verein: 1. FFC Frankfurt
geboren am: 12. 7. 1986 in Regensburg
Größe: 175 cm
Gewicht: 59 kg
Länderspiele: 94
Länderspieltore: 25
Länderspiel-Debüt: 29. Juli 2007 gegen Dänemark (4:0)
größte Erfolge im Nationalteam: Weltmeisterin 2007, Europameisterin 2009 und 2013, Olympia-Bronze 2008

Mit Duisburg gewann sie zweimal den DFB-Pokal und 2009 auch den UEFA Women's Cup. Seit 2012 steht sie beim 1. FFC Frankfurt unter Vertrag, feierte just den Champions-League-Sieg mit den Hessinnen. Doch der Wechsel an den Main war zunächst nicht vom Glück gesegnet. Laudehr, im Januar 2012 bereits am Meniskus operiert, musste sich im Dezember 2012 wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie erneut operieren lassen. Im EM-Jahr 2013 kam sie in der Bundesliga nicht zum Einsatz, ihren Stammplatz im Nationalteam, mit dem sie 2008 Olympia-Bronze und 2009 die Europameisterschaft gewonnen hatte, büßte sie zunächst ebenfalls ein. Doch bei den kontinentalen Titelkämpfen meldete sie sich eindrucksvoll zurück: Mit dem entscheidenden Tor im Viertelfinale gegen Italien.

Disziplin lernte sie in der Klosterschule

Laudehr gilt als sehr zielstrebig, nicht nur im Sport. Die erste Einladung zur Nationalmannschaft 2006 schlug die angehende Bürokauffrau aus, weil sie kurz vor den Prüfungen stand. Schon in Regensburg hatte sie sich jahrelang in Disziplin geübt. Sie besuchte eine Klosterschule, obwohl sie dort nicht die besten Bedingungen für ihren Sport vorfand. "Aber es war eine angesehene Schule, und ich wollte einen guten Abschluss machen", sagt sie. Was ihre Zukunft angeht, denkt die Sportsoldatin eher konservativ. Die 55.000 Euro WM-Prämie von 2007 hat sie in einem Bausparvertrag angelegt.

Sie liebt Basketball und ihr Motorrad

Wenn die 28-Jährige topfit ist, ist sie eine der herausragenden Fußballerinnen im deutschen Team. Sie ist schnell, zäh und torgefährlich, kann auf der Sechserposition spielen, aber auch auf der linken Seite. Bei der Heim-WM 2011 schoss sie Deutschland mit dem 1:0 gegen Nigeria vorzeitig ins Viertelfinale. Stets ist sie diejenige, die die weitesten Wege geht. "Kilometerfresser" nennen ihre Kolleginnen die Dauerläuferin, die auf dem Platz auch richtig emotional werden kann. "Ich lasse nie locker", sagt sie über sich. Die Interessen der Sportsoldatin sind nicht nur auf den Fußball beschränkt. Sie spielt gern Basketball und liebt es, mit ihrem Motorrad durch die Gegend zu düsen.

Bewegte Laufbahn

Die Karriere von Simone Laudehr in Bildern

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 04.07.15 22:33 Uhr