Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Leonie Maier © imago/foto2press

Abwehr

Leonie Maier: "Leo" will auf Samis Spuren wandeln

Leonie Maier war eine der deutschen Heldinnen beim EM-Sieg 2013. Ein Kreuzbandriss setzte die 22-Jährige lange außer Gefecht. In dieser Phase machte ihr Weltmeister Sami Khedira Mut.

Als Leonie Maier im April des vergangenen Jahres für ihr Comeback schuftete, traf die Außenverteidigerin des FC Bayern München in der Reha Sami Khedira. Der Star von Real Madrid laborierte wie die 22-Jährige an den Folgen einer Kreuzbandverletzung. Es war zu diesem Zeitpunkt ungewiss, ob der Mittelfeldstratege rechtzeitig zur Weltmeisterschaft in Brasilien fit werden würde. Für Maier war es eine ganz besondere Begegnung. "Er hat mir Kraft und Durchhaltevermögen gewünscht, das hat mich extra motiviert. Und als ich dann gesehen habe, wie er nach fünf Monaten Schinderei wieder eine WM spielen konnte, hat das noch mal einen Schub gegeben. Wenn man es will, kann man alles schaffen, mit Durchhaltevermögen und Disziplin, dafür steht Khedira", erklärte sie im Interview mit dem "Münchner Merkur". Maier will ihrem "Vorbild" nun folgen und ebenfalls Weltmeisterin werden. "Das Knie macht keine Probleme mehr. Ich werde hart arbeiten, um meine alte Form zu bekommen", sagte die Abwehrspielerin.

Durchbruch, Schock und Comeback beim Algarve-Cup

Hinter der gebürtigen Stuttgarterin liegt ein langer Weg zurück auf den Fußballplatz. "Leo", wie das 1,63 Meter große Energiebündel gerufen wird, zog sich beim Algarve-Cup 2014 im Training einen Kreuzbandriss zu. "Davor hatte ich überhaupt keine Verletzungen. Das war am Anfang schon ein Riesenschock. Es war schon schwer. Ich bin ein Bewegungsmensch, der immer etwas machen muss", blickte Maier im Gespräch mit "fcb.tv" auf ihre Leidenszeit zurück. Nach siebenmonatiger Reha feierte die Außenverteidigerin im Münchner Zweitliga-Team ihr Comeback, arbeitete sich anschließend langsam wieder an die Bundesliga-Mannschaft heran. Auch die Rückkehr in die DFB-Auswahl gelang zu Beginn dieses Jahres - ausgerechnet beim Algarve-Cup. Im Gruppenspiel am 6. März gegen China (2:0) stand sie über 90 Minuten auf dem Feld. Das Traditionsturnier in Portugal hat für die 22-Jährige ohnehin eine ganz besondere Bedeutung. Hier gelang ihr 2013 der Durchbruch im Nationalteam. Mit tollen Leistungen empfahl sich "Leo" für den EM-Kader.

Stammspielerin beim EM-Sieg

Bundestrainerin Silvia Neid nannte Maier bereits vor Beginn der Europameisterschaft die "Zukunft des Frauenfußballs" und setzte die Abwehrspielerin in allen sechs Begegnungen über die gesamte Distanz ein. "Das ist eine Riesenehre, wenn so etwas von der Bundestrainerin persönlich kommt. Aber ich weiß, wie Fußball funktioniert. Das war eine Momentaufnahme, ich muss sie jedes Mal bestätigen. Ich darf mich auf so etwas nicht ausruhen", erklärte Maier dem "Münchner Merkur". Sie war nach der EM vom SC 07 Bad Neuenahr nach München gewechselt, bestritt aufgrund ihres Kreuzbandrisses jedoch lediglich 14 Pflichtspiele in der Saison 2013/2014. Nichtsdestotrotz verlängerte der Klub den Vertrag mit "Leo" frühzeitig bis 2018. "Leonie ist nach ihrer Kreuzbandverletzung wieder auf dem besten Weg zur alten Form. Sie steht für konstante Leistungen auf hohem Niveau. Ich bin sehr sicher, dass sie in den kommenden drei Jahren noch einmal stärker werden wird", erklärte FCB-Coach Thomas Wörle. In der Schlussphase dieser Saison zahlte Maier ihrem Verein das Vertrauen mit sehr ansprechenden Leistungen zurück und wurde mit den Münchnerinnen überraschend Meister. Es war die vorläufige Krönung eines bemerkenswerten Comebacks.

Über Sindelfingen und Bad Neuenahr nach München

Steckbrief Leonie Maier

Position: Abwehr
Trikotnummer: 4
Verein: FC Bayern München
geboren am: 29. 9. 1992 in Stuttgart
Größe: 163 cm
Gewicht: 64 kg
Länderspiele: 30
Länderspieltore: 3
Länderspiel-Debüt: 13. Februar 2013 in Straßburg gegen Frankreich (3:3)
größte Erfolge im Nationalteam: Europameisterin 2013, U19-Europameisterin 2011

Bemerkenswert ist allerdings auch die Vergangenheit der Abwehrspielerin, die bis zur B-Jugend dank einer Ausnahmegenehmigung in einer Jungenmannschaft spielen durfte. "Diese Zeit hat mich schon extrem geprägt, ich habe ungefähr neun Jahre dort gespielt. Das Spiel ist viel schneller, athletischer, dadurch habe ich viel dazugelernt", erklärte Maier, die über ihre drei älteren Brüder zum Fußball kam. "Irgendwann haben alle aufgehört, und ich war die einzige, die übrig geblieben ist", ergänzte die gebürtige Stuttgarterin. Über die JSG Remseck kam sie 2009 zum VfL Sindelfingen, wechselte ein Jahr später nach Bad Neuenahr. Dort feierte Maier im August 2010 ihr Erstliga-Debüt. Zu diesem Zeitpunkt war die Außenverteidigerin mit der U17 (2009) bereits Europameister geworden. 2011 gewann die Abwehrspielerin mit der U19 ebenfalls den EM-Titel, mit dem U20-Team zog sie bei der Weltmeisterschaft 2012 in Japan ins Finale ein. Dort gab es eine knappe 0:1-Niederlage gegen die USA. Ein WM-Titel fehlt also noch in "Leos" Sammlung. Doch das könnte sich in Kanada ja ändern.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 01.07.15 00:24 Uhr