Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Lena Lotzen © imago/Jan Huebner

Mittelfeld

Lena Lotzen: Zwischen Himmel und Hölle

Lena Lotzen war Stammspielerin beim deutschen EM-Sieg 2013. Anschließend warfen schwere Verletzungen die Münchnerin mehrmals aus der Bahn. Mit eisernem Willen hat sich die 21-Jährige zurückgekämpft.

Die Weltmeisterschaft in Kanada war für Lena Lotzen im August des vergangenen Jahres in ganz weite Ferne gerückt. Im Training des FC Bayern München hatte sich die Stürmerin einen Riss des vorderen Kreuzbandes und des Innenbandes im linken Knie zugezogen. Knapp ein Jahr nach ihrem Mittelfußbruch musste die 21-Jährige erneut unters Messer. Abermals war sie anschließend Stammgast in einer Physiotherapie-Praxis in Bogenhausen. Aufgeben aber kam für Lotzen nicht infrage. "Ich weiß, dass es schwer wird, da dabei zu sein, weil es zeitlich total eng wird. Aber ich werde alles dafür tun. Ich habe schon immer von einer WM geträumt", erklärte sie dem "Oberbayerischen Volksblatt". Gesagt, getan. Ende März dieses Jahres stand die gebürtige Würzburgerin wieder für den FCB auf dem Platz und wurde schließlich von Bundestrainerin Silvia Neid in den Weltmeisterschaftskader berufen.

Letzer Einsatz im DFB-Team im Juni 2014

Ob Lotzen bei den interkontinentalen Titelkämpfen in Kanada allerdings eine ähnlich tragende Rolle einnehmen kann wie bei der EM 2013 in Schweden, bei der sie in allen sechs Partien in der Startelf stand, ist fraglich. Die "echte Straßenfußballerin" - wie Neid sie beschrieb - hat in dieser Serie lediglich vier Pflichtspiele bestritten. Ihr letzter Einsatz im DFB-Team datiert vom 19. Juni des vergangenen Jahres, als sie beim 2:1-Erfolg im Test in Vancouver gegen Gastgeber Kanada das 1:0 erzielte. Trotz Lotzens geringer Wettkampfpraxis wollte die Bundestrainerin nicht auf die dynamische Stürmerin verzichten. Neid schätzt den nimmermüden Einsatzwillen der Münchnerin: "Lena ackert unheimlich auf dem Platz und hat ein Gespür, wo sie hinlaufen muss."

Prägende Jugendzeit

Lotzen hat bereits früh gelernt, sich durchzubeißen. Bei ihrem Jugendklub, der Turngemeinde Höchberg, musste sie stets in Jungenmannschaften spielen, da es kein Mädchenteam gab. "Ich habe durchgezogen, die haben durchgezogen. Dann haben sie manchmal erst hinterher gemerkt: Oh, da hat ein Mädchen mitgespielt. Ich musste in jedem Training mit den Jungs 100 Prozent geben, um mitzuhalten. Das prägt", erzählte die Stürmerin dem "Focus". Von 1999 bis 2010 war Lotzen für die JFG Kreis Würzburg Süd-West aktiv, bevor der FCB das Talent an die Isar lockte. Für die Bayern debütierte sie im selben Jahr in der Bundesliga-Partie beim Herforder SV.

2012 als beste Nachwuchsspielerin ausgezeichnet

Steckbrief Lena Lotzen

Position: Angriff
Trikotnummer: 9
Verein: FC Bayern München
geboren am: 11. 9. 1993 in Würzburg
Größe: 170 cm
Gewicht: 59 kg
Länderspiele: 25
Länderspieltore: 4
Länderspiel-Debüt: 29. Februar 2012 gegen Island (1:0)
größte Erfolge im Nationalteam: Europameisterin 2013, U19-Europameisterin 2011

Zu diesem Zeitpunkt war Lotzen beim DFB bereits "aktenkundig" geworden. Sie durchlief von der U15 an alle Nachwuchsmannschaften des Verbandes. Bei der U19-EM 2011 in Italien trug die Tochter eines Fotografen mit fünf Toren erheblich zum deutschen Triumph bei. Bei der U20-WM ein Jahr später in Japan, als Deutschland Zweiter wurde, war sie sechsmal erfolgreich. Das Debüt im Nationalteam war also nur der nächste logische Schritt in Lotzens märchenhafter Laufbahn. Und dennoch hätte die 21-Jährige wohl länger auf ihren ersten Einsatz im Dress des Rekord-Europameisters warten müssen, wenn die Wolfsburgerin Martina Müller ihre Teilnahme am Algarve-Cup 2012 nicht verletzungsbedingt hätte absagen müssen. Die Stürmerin rückte nach und durfte gegen Island (1:0) für einige Minuten aufs Feld. Es sei alles schneller und mit mehr Zweikampfhärte verbunden als bei den Juniorinnen, resümierte Lotzen anschließend. Der DFB honorierte ihre tollen Leistungen 2012 mit der "Fritz-Walter-Medaille in Gold" für die beste deutsche Nachwuchsspielerin.

Stammspielerin bei EM-Sieg 2013

Zu ihrem vorläufigen Karrierehöhepunkt wurde aber die EM 2013. Obgleich Neid viele Optionen in der Offensive hatte, setzte die Bundestrainerin auf das damals 19 Jahre alte Talent. "Beim FC Bayern spielt sie hängende Spitze, da hat sie hier viel Konkurrenz. Also habe ich sie gefragt, ob sie sich auch die Position außen vorstellen kann", berichtete Neid dem "Focus". Lotzen bejahte und fand sich für viele Experten und Fans überraschend in der Stammformation wieder. Nach dem 0:0 zum Auftakt gegen die Niederlande war es die Münchnerin, die im zweiten Gruppenspiel gegen Island (3:0) mit dem 1:0 den Tor-Bann brach. Die "Süddeutsche Zeitung" titulierte sie anschließend als "Raumöffnerin". Bald darauf war Lotzen Europameisterin. Es folgten zwei Jahre, in denen die Senkrechtstarterin bedingt durch zwei Mittelfußbrüche und einen Kreuzbandriss mehr Zeit im Rehazentrum als auf dem Fußballplatz verbrachte. Rückschläge, die Lotzen nicht aus der Bahn werfen konnten. Sie arbeitete getreu ihrem Lebensmotto "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren" erfolgreich an ihrem Comeback.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 20.06.15 23:47 Uhr