Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Lena Goeßling © Witters Foto: Uwe Speck

Mittelfeld

Lena Goeßling: Zur Weltklassespielerin gereift

Lena Goeßling hat im Nationalteam spät den Durchbruch geschafft. Heute ist sie aus dem DFB-Team nicht mehr wegzudenken. Verlockenden Angeboten aus dem Ausland widerstand die Wolfsburgerin.

Lena Goeßling ist eine Frau, die zu ihren Schwächen steht. "Wenn mir ein Paar Schuhe zu langweilig werden, muss schnell mal eine andere Farbe her." Die Wolfsburgerin hat eine ganze Sammlung von Fußballschuhen: in Rot, Gelb, Grün, Weiß. Dazu kommt ein privates Ensemble von Sneakers bis zu High Heels: "Zum Ausgehen ziehe ich auch gern mal die Hochhackigen an." Schon vor der Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land gehörte die blonde Defensivspielerin neben Lira Bajramaj (heute Alushi) zu den meistfotografierten Spielerinnen. Ungeschminkt und ohne ein Lächeln auf dem Gesicht trifft man sie höchstens mal beim Morgentraining an. "Für mich gehört das dazu, ich fühle mich dann einfach wohler", sagt sie. Eine "Tussi" ist sie deshalb noch lange nicht. Der Fan von Borussia Dortmund kann auf dem Fußballplatz ordentlich hinlangen.

Das Werben um sie war vergeblich

Seit dem Sieg bei der Europameisterschaft 2013 ist Goeßling nicht mehr aus der Nationalmannschaft wegzudenken. Mit Nadine Keßler bildete sie ein kongeniales Duo auf der Sechserposition und brillierte sowohl als Abräumerin vor der Abwehr als auch als Strategin, die das Spiel öffnen und das Tempo diktieren kann. Nach der EM gehörte sie zu den umworbensten Fußballerinnen der Welt: Sie wurde ins All Star Team gewählt, belegte Platz zwei bei der Wahl zu "Europas Fußballerin des Jahres" und wurde für die Weltfußballerinnen-Wahl nominiert. Die Option, ins Ausland zu wechseln, legte sie zunächst auf Eis, um sich auf die WM zu konzentrieren. Ende 2014 verlängerte sie schließlich noch einmal in Wolfsburg. Bis mindestens 2017 will sie dem VfL erhalten bleiben und sich eine berufliche Perspektive aufbauen.

"Ich wollte um Titel spielen"

Zum Fußball ist Goeßling durch ihren Zwillingsbruder Arne gekommen. Alles begann im ostwestfälischen Löhne. Von da ging sie nach Sundern, dann zum FC Gütersloh und schließlich nach Bad Neuenahr. Nach sechs Jahren im beschaulichen Ahrtal klopfte 2011 der VfL Wolfsburg an. "Es ist mir sehr schwer gefallen, von dort wegzugehen, aber mir war auch klar, dass ich stehen bleibe, wenn ich nicht nach Wolfsburg wechsle", sagt die ehemalige Sportsoldatin: "Ich wollte auch mal um Titel mitspielen." Nach nur zwei Jahren hat sie alle drei geholt: Meisterschale, DFB-Pokal und Champions-League-Trophäe. Den Triumph in der Bundesliga und in der Königsklasse wiederholten die VfL-Frauen ein Jahr später. Und auch in der WM-Saison blieben sie nicht ohne Titel: Die Wolfsburgerinnen gewannen das Pokalfinale gegen Turbine Potsdam.

Olympia verpasst, aus EM-Kader gestrichen

Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Lena Goeßling (l.) © Witters Foto: Uwe Speck

Im DFB-Team musste sich Lena Goeßling (l.) erst durchbeißen.

Einen WM-Titel hat Goeßling auch schon in ihrer Vita stehen - den holte sie 2004 mit den U19-Juniorinnen. In der A-Nationalmannschaft feierte sie mit 21 Jahren ihr Debüt, doch danach ging es nur noch schleppend voran. Für die Olympischen Spiele 2008 in Peking wurde sie nicht berücksichtigt, kurz vor der EM 2009 aus dem Kader gestrichen. "Ich habe daraus gelernt, dass nicht alles so leicht ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Im Endeffekt hat mir diese Erfahrung also auch irgendwie geholfen", sagt sie.

Urlaub mit Anja Mittag in Vancouver

Steckbrief Lena Goeßling

Position: Mittelfeld
Trikotnummer: 20
Verein: VfL Wolfsburg
geboren am: 8. 3. 1986 in Bielefeld
Größe: 171 cm
Gewicht: 56 kg
Länderspiele: 78
Länderspieltore: 8
Länderspiel-Debüt: 28. Februar 2008 gegen China (2:0)
größte Erfolge im Nationalteam: Europameisterin 2013, U19-Weltmeisterin 2004

Goeßling arbeitete hart an sich, Anfang 2011 schaffte sie den Sprung zurück ins DFB-Team. Die WM im eigenen Land stand vor der Tür, und wie ihre Kolleginnen fieberte sie diesem Höhepunkt entgegen. In der Vorrunde kam sie dann erst beim 4:2 gegen Frankreich zum Einsatz, spielte aber durch. Gegen Japan wurde sie nach einer guten Stunde eingewechselt, konnte das  Ausscheiden (0:1 n.V.) aber auch nicht abwenden. "Wir hätten noch lange weiterspielen können und hätten trotzdem kein Tor geschossen", sagt sie. Das Olympia-Ticket für London war damit verspielt, doch nach zwei Jahren Frust feierten die DFB-Frauen bei der EM 2013 in Schweden ein Super-Comeback. Auch dank einer Lena Goeßling, die inzwischen zur Weltklassespielerin gereift ist. Es war ihr erster großer Titel mit dem A-Nationalteam, in Kanada will sie nun Weltmeisterin werden. Mit Anja Mittag machte sie im vergangenen Jahr schon ein paar Tage Urlaub im Endspielort Vancouver. Beide waren sich danach einig: "Es wäre ein Traum, hierher zurückzukommen."

Deutsches Team

Spätzünderin und Strategin: Lena Goeßling

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 04.07.15 22:32 Uhr