Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan © picture-alliance/augenklick/firo Sportphoto

Mittelfeld

Dzsenifer Marozsan: Die Denkerin und Lenkerin

Dzsenifer Marozsan gilt als Jahrhunderttalent. Die Offensiv-Allrounderin mit der außergewöhnlich guten Technik hat sich im Nationalteam als Denkerin und Lenkerin etabliert.

Dzsenifer Marozsan hat ein festes Ritual nach ihren Fußballspielen. Sobald die Edeltechnikerin vom 1. FFC Frankfurt geduscht hat und im Mannschaftsbus sitzt, greift sie zu ihrem Mobiltelefon und wählt die Nummer ihrer Eltern. Die Meinung ihres Vaters Janos ist der 23-Jährigen sehr wichtig. "Mein erster Anruf ist bei Mama. Man hört dann schon immer im Hintergrund an seiner Stimme, ob es ihm gefallen hat oder nicht. Da weiß ich immer sofort Bescheid", erzählt sie. Viel Kritik von ihrem Papa hat sich die Mittelfeldakteurin in den vergangenen Jahren nicht anhören müssen. Marozsan, die bereits als Teenager als Jahrhundertalent bezeichnet wurde, hat mit ihren 23 Jahren bereits etliche Titel gewonnen - zuletzt die Champions League mit Frankfurt. Ihr internationaler Durchbruch gelang der gebürtigen Ungarin vor zwei Jahren bei den EM in Schweden, als sie die DFB-Auswahl mit dem 1:0-Siegtreffer im Semifinale gegen Schweden ins Endspiel führte.

Vater Janos spielte für Saarbrücken

"Maro" hat die Fußball-Gene von ihrem Vater geerbt. Janos Marozsan war ungarischer Nationalspieler. Und als er 1996 beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken anheuerte, zog die Familie mit dem neunjährigen David und der vier Jahre alten Dzsenifer von Budapest ins Saarland um. Fußballspielen musste Dzsenifer zunächst heimlich. "Meine Mama wollte nicht, dass ich mit aufgeschlagenen Knien nach Hause komme." Doch ihr außergewöhnliches Talent blieb irgendwann auch ihrer Mutter nicht verborgen.

Bundesliga-Debüt mit 14

Steckbrief Dzsenifer Marozsan

Position: Angriff
Trikotnummer: 10
Verein: 1. FFC Frankfurt
geboren am: 18. 4. 1992 in Budapest
Größe: 172 cm
Gewicht: 68 kg
Länderspiele: 53
Länderspieltore: 26
Länderspiel-Debüt: 28. Oktober 2010 gegen Australien (2:1)
größte Erfolge im Nationalteam: Europameisterin 2013, U20-Weltmeisterin 2010

Nach ihrem Wechsel von DJK Burbach zum 1. FC Saarbrücken lief Marozsan am 18. November 2006 als 14-Jährige erstmals in der Bundesliga auf. Damit ist sie die jüngste Fußballerin in der höchsten deutschen Spielklasse. Die Filigrantechnikerin durchlief alle Auswahlmannschaften, wurde U17-Europameisterin (2008), und U20-Weltmeisterin (2010). 2008 holte sie bei EM und WM auch die Torjägerkrone. Bei der U20-Weltmeisterschaft 2012 wurde sie als beste Spielerin mit dem "Goldenen Ball" ausgezeichnet. Da spielte sie schon drei Jahre für den 1. FFC Frankfurt. Ihr Vertrag am Main läuft noch bis 2016. In der DFB-Geschäftsstelle hat sie eine kaufmännische Ausbildung absolviert.

Talent reift zur Führungsspielerin

Ihre Premiere in der A-Nationalmannschaft hatte Marozsan schon im Oktober 2010 beim 2:1 gegen Australien gefeiert. Sie fieberte der Heim-WM entgegen. Doch der Traum platzte jäh: Anfang Mai 2011 zog sie sich einen Innenbandriss zu, später wurde noch ein Meniskusschaden diagnostiziert. Doch sie kam zurück, um eine Erfahrung reicher und stärker als zuvor. Beim Algarve-Cup im EM-Jahr schwang sie sich zur Denkerin und Lenkerin im deutschen Spiel auf, eine klassische Zehnerin. Marozsan - gefürchtet auch an der Playstation - verfügt wie ihr Vorbild Cristiano Ronaldo über eine brillante Schusstechnik. Die 23-Jährige hat so manchen Freistoß und auch schon eine Ecke direkt verwandelt. Sie agiert außergewöhnlich abgeklärt. Hier und da streut "Maro" auch mal ein technisches Kabinettstückchen ein, aber nur, wenn es der Mannschaft hilft. Denn für "faulen Zauber" würde es nicht nur von ihren Mannschaftskameradinnen, sondern auch von Papa Janos Schelte geben. Und ihren Vater möchte die Edeltechnikerin in keinem Fall enttäuschen: "Er war und ist immer noch mein Vorbild. Er hat mir beigebracht, nie zu vergessen, wo man herkommt."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 01.07.15 02:39 Uhr