Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Celia Sasic © picture-alliance/LUSA Foto: Jose Sena Goulao

Angriff

Celia Sasic: Die Torjägerin und das Zukunftsrätsel

Sie ist die Frau mit der eingebauten Torgarantie. Celia Sasic trifft statistisch gesehen in jedem zweiten Länderspiel. Mit 26 Jahren ist sie im besten Fußballeralter. Doch nach der WM könnte Schluss sein.

Celia Sasic, geborene Okoyino da Mbabi, sagte nichts zu ihren Zukunftsplanen. Drei Tage vor dem Champions-League-Endspiel in Berlin am 14. Mai zwischen ihren Frankfurterinnen und Paris St. Germain sprach die Stürmerin lediglich über das Finale. "Es wartet noch etwas ganz Großes auf uns", erklärte die Bundesliga-Torschützenkönigin unter anderem. Ein Satz, den später auch die "Frankfurter Rundschau" ("FR") zitierte. Er besaß allerdings nur wenig Gewicht in dem Artikel, der die ebenso kurze wie griffige Überschrift "Die Kündigung" hatte. Die renommierte Zeitung hatte in Erfahrung gebracht, dass Sasic eine beidseitige Option zur Verlängerung ihres bis zum 30. Juni 2015 datierten Kontraktes fristgerecht zum 31. März gekündigt hatte. Sowohl der 1. FFC als auch die Nationalstürmerin hatten diesen Fakt bis zu diesem Zeitpunkt verschwiegen. Nun erklärte ihr Berater Dominik Kaesberg dem Blatt: "Sie möchte mit einem freien Gefühl in die WM gehen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie Frankfurt verlässt."

Wechsel, Karriere-Ende oder Auszeit?

Es darf seitdem spekuliert werden, welchen Lebensweg die 26-Jährige nach den interkontinentalen Titelkämpfen in Kanada einschlagen möchte. Nimmt sie sich eine Auszeit? Wechselt Sasic ins Ausland? Paris St. Germain soll großes Interesse an ihr zeigen. Schließt sich die Torjägerin einem anderen Bundesligisten an? Bleibt sie doch am Main? Oder beendet die Angreiferin ihre Karriere? Sasic selbst wehrte Nachfragen ab, sagte nur: "Im Fußball ist vieles möglich." Dafür erklärte Frankfurts Manager Siegfried Dietrich der "FR": "Für Celia war es wichtig, vor der WM keinen Perspektivdruck zu verspüren. Sie hat im Gespräch mit mir durchaus die Möglichkeit offen gelassen, in Frankfurt weiterzuspielen, eine andere Karriere einzuschlagen oder eine andere Lebensorientierung zu wählen."

Überragende Torquote im DFB-Trikot

Dass die Frau von Marko Sasic, dem Sohn des Fußballtrainers Milan Sasic, ihre "Buffer" nach der WM endgültig an den Nagel hängt, erscheint allerdings eher ausgeschlossen. Zu viel bedeutet der 26-Jährigen ihr Sport. "Ich spiele Fußball, weil's mir tierisch Spaß macht", sagte sie häufig - und man sieht es ihr an. Die Stürmerin hat immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen und eine überragende Torquote. "Momo" trifft statistisch gesehen in jedem zweiten Länderspiel und hat sich mittlerweile in die Top Ten der ewigen Torschützenliste des Deutschen Fußball-Bundes vorgeschoben.

Afrikanische Leichtigkeit, französisches Spielverständnis

Die gebürtige Bonnerin mit dem Zungenbrecher-Familiennamen ist ein begnadetes Talent und eine der interessantesten Persönlichkeiten in der Nationalmannschaft. Ihr Vater Elias ist Kameruner, ihre Mutter Marie-Francoise Französin. "Wenn jemand sagt, ich würde afrikanische Leichtigkeit, französisches Spielverständnis und deutsche Spielintelligenz in mein Spiel einbringen, dann widerspreche ich nicht: Ich habe mir das Schönste von allen ausgesucht", erzählte die frühere Integrationsbotschafterin des DFB einmal der "FR".

Deutsches Team

Celia Sasic: Das "Steh-Auf-Fräulein"

Erst 2004 eingebürgert

Nachdem sie ihren Bruder Nicolas einmal zum Training beim TuS Germania Hersel begleitet hatte, kam sie vom Fußball nicht mehr los. Von Anfang an hatte sie einen unbändigen Drang zum Tor und räumte regelmäßig Torjägerkronen ab. Wie selbstverständlich absolvierte Okoyino da Mbabi auch Auswahllehrgänge - bis sie 2004 bei der U19-WM spielen sollte und plötzlich auffiel, dass sie noch gar keinen deutschen Pass hatte. Flugs wurden sie und ihre Eltern eingebürgert. Als jüngste Spielerin im Turnier wurde Okoyino da Mbabi Weltmeisterin. Ihr kometenhafter Aufstieg begann.

Schienbeinbruch und Pfeiffersches Drüsenfieber

Steckbrief Celia Sasic

Position: Angriff
Trikotnummer: 13
Verein: 1. FFC Frankfurt
geboren am: 27. 6. 1988 in Bonn
Größe: 174 cm
Gewicht: 61 kg
Länderspiele: 111
Länderspieltore: 63
Länderspiel-Debüt: 28. Januar 2005 gegen Australien (0:1)
größte Erfolge im Nationalteam: Europameisterin 2009 und 2013, Olympia-Bronze 2008

Sasic spielte inzwischen beim SC 07 Bad Neuenahr. Anfang 2005 gab sie gegen Australien (0:1) ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft - da war sie 16. Doch dann verletzte sich die Stürmerin beim Skifahren und verpasste die Europameisterschaft. Trotz ihrer großen Erfolge blieben Verletzungen auch in den Folgejahren ständige Begleiter. In ihren ersten 50 Länderspielen wurde sie 42 Mal eingewechselt. Bei der WM 2007 in China fehlte Sasic nach einem Schienbeinbruch. 2008 holte sie in Peking Olympia-Bronze. Danach verpasste sie die Bundesliga-Hinrunde komplett, weil ihr Nägel und Schrauben aus dem Schienbein entfernt werden mussten. Schließlich erkrankte sie Anfang 2009 am Pfeifferschen Drüsenfieber. Bei der EM kam sie deshalb nur als Joker zum Einsatz.

2012 "Fußballerin des Jahres"

Sasic ist eine hochintelligente Spielerin. 2007 legte sie ihr Abitur zweisprachig ab - in Deutsch und Französisch. Neben dem Fußball studierte sie Kulturwissenschaft an der Universität Koblenz, nun muss sie noch ihre Bachelorarbeit schreiben. "Ich brauche auch etwas anderes für meinen Kopf", erklärte der Fan von Bayer Leverkusen. Seit 2011 ist die 26-Jährige in der Nationalmannschaft gesetzt. Sie war eine der Hoffnungsträgerinnen bei der Heim-WM, traf beim 2:0 gegen Kanada und beim 4:2 gegen Frankreich. Im Viertelfinale gegen Japan erwischte die Torjägerin, wie so viele ihrer Mitspielerinnen, einen rabenschwarzen Tag. 2012 wurde Sasic zur "Fußballerin des Jahres" gewählt.

17 Tore in EM-Qualifikation

Den Frust über die verpatzte Weltmeisterschaft vor eigenem Publikum wandelte die 26-Jährige in positive Energie um. In der Qualifikation zur EM 2013 schoss sie 17 Tore - so viele wie keine andere Spielerin. Dreimal gelang ihr dabei sogar ein Viererpack: im November 2011 beim 17:0 gegen Kasachstan, im März 2012 beim 5:0 gegen Spanien und im April 2012 beim 6:0 gegen die Schweiz. Bei den kontinentalen Titelkämpfen in Schweden geizte Sasic dann für ihre Verhältnisse allerdings mit Treffern. Lediglich im Vorrundenspiel gegen Island (3:0) schlug "Momo" zweimal zu. Das konnte ihre Freude über den EM-Sieg allerdings nicht schmälern.

Meisterschaft und Champions League mit Frankfurt

Der Europameisterschafts-Sommer war auch eine Zeit des Umbruchs für Sasic. Der Scheidung vom insolventen SC 07 Bad Neuenahr, den sie nach neun Jahren verließ und nach Frankfurt wechselte, folgte die Hochzeit mit ihrem langjährigen Freund Marko. Das Paar blieb in Koblenz wohnhaft, die Torjägerin pendelte seitdem fast täglich in die Mainmetropole. Sportlich machte sich der Wechsel für Sasic bezahlt. Mit dem FFC gewann sie 2014 den DFB-Pokal und nun die Champions League. Im Finale gegen Paris erzielte Sasic beim 2:1-Erfolg der Hessinnen die 1:0-Führung und wurde als beste Spielerin der Partie ausgezeichnet. Es war vielleicht der krönende Abschluss ihrer Zeit in Frankfurt. Vielleicht auch nicht. Die Entscheidung über ihre Zukunft wird die 26-Jährige der Öffentlichkeit voraussichtlich erst nach der Weltmeisterschaft mitteilen. Nachfragen sind zwecklos. "Celia ist Celia. Wir wissen das und lassen sie damit in Ruhe", brachte es FFC-Coach Colin Bell auf den Punkt.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 04.07.15 22:35 Uhr