Nationalspielerin Alexandra Popp (vorn) im Spiel gegen Brasilien © imago/Camera 4

Angriff

Alexandra Popp: Mittendrin statt nur dabei

Ärmel hoch und rein ins Getümmel: Das ist Alexandra Popp. Die kopfballstarke Stürmerin schont weder sich noch Gegner. Mit der Nationalelf hat sie noch keinen Titel gewonnen.

Mit Mädchen Fußball spielen? Für Alexandra Popp war das lange keine Option. Dann würde sie lieber mit der geliebten Kickerei aufhören, tönte der vorlaute Teenager. Wie sich die Zeiten ändern! Heute ist die Stürmerin des VfL Wolfsburg eine der Topspielerinnen in Deutschland. Sie ist U20-Weltmeisterin geworden, Champions-League-Siegerin, deutsche Meisterin, DFB-Pokalsiegerin und "Fußballerin des Jahres". Über ihre frühere Haltung zum Frauenfußball kann die 24-Jährige heute nur noch schmunzeln: "Ich war früher naiv und arrogant, ein bisschen doof." Das hat sich grundlegend geändert. Treu geblieben ist die im Ruhrgebiet aufgewachsene Vollblut-Fußballerin ihrem schnörkellosen Stil und ihren Kumpels bei Schwarz-Weiß Silschwede, mit denen sie seit der F-Jugend kickte. "Meinen Jungs habe ich es zu verdanken, dass ich relativ groß rausgekommen bin", sagt sie.

Mit Waschbär, Erdmännchen & Co.

Alexandra Popp füttert Tiere im Tierpark Essehof bei Wolfsburg. © NDR

Die Arbeit im Tierpark ist für Alexandra Popp der "perfekte Ausgleich".

Als "Poppi" ihre pubertäre Phase halbwegs überwunden hatte, arrangierte sie sich damit, nur noch mit Mädchen und Frauen zu spielen. Sie wechselte zum 1. FFC Recklinghausen, dann zum FCR Duisburg, wurde 2008 U17-Europameisterin, 2010 U20-Weltmeisterin und feierte mit 18 ihr Debüt in der Nationalmannschaft. Ein frühes Angebot von Olympique Lyon schlug sie aus, stattdessen wechselte sie 2012 gemeinsam mit Luisa Wensing zum VfL Wolfsburg. Das Hauptargument damals: In Niedersachsen fand sie nicht nur optimale Bedingungen zum Fußballspielen vor, der Klub besorgte ihr auch eine Lehrstelle im Tierpark Essehof bei Wolfsburg. Für ihren Traumjob Tierpflegerin nimmt sie in Kauf, dass sie oftmals erst nach Acht-Stunden-Tagen mit schwerer körperlicher Arbeit trainieren kann. "Grenzwertig" findet das VfL-Trainer Ralf Kellermann, aber Popp sind die "coolen" Erdmännchen und die "knuddeligen" Waschbären ans Herz gewachsen. "Es ist zwar anstrengend, aber die Arbeit im Tierpark ist der perfekte Ausgleich zum Fußball", sagt sie. "Die Tiere geben einem viel zurück." Im Winter macht sie ihre Abschlussprüfung, wegen der WM hat sie den Abschluss ihrer Lehrjahre um ein halbes Jahr verschoben.

"Kopfballungeheuer" mit Hang zur Unvernunft

Steckbrief Alexandra Popp

Position: Angriff
Trikotnummer: 18
Verein: VfL Wolfsburg
geboren am: 6. 4. 1991 in Witten
Größe: 174 cm
Gewicht: 65 kg
Länderspiele: 60
Länderspieltore: 28
Länderspiel-Debüt: 17. Februar 2010 gegen Nordkorea (3:0)
größte Erfolge im Nationalteam: U20-Weltmeisterin 2012
Auszeichnungen: Fußballerin des Jahres in Deutschland 2014

In Wolfsburg haben sich für Popp auch sportlich fast alle Wünsche erfüllt. Sie wurde zweimal Champions-League-Siegerin, zweimal deutsche Meisterin und gewann mit den VfL-Frauen zweimal den DFB-Pokal. Wie sie voranging in den entscheidenden Spielen, mit hochgekrempelten Ärmeln und unbändigem Willen, das imponierte nicht nur den Fans. Sie stieg zur Führungsspielerin auf und wurde im August 2014 zu Deutschlands "Fußballerin des Jahres" gewählt. Einen Tag später verlängerte sie ihren Vertrag in Wolfsburg bis 2016. Bis heute sieht man Popps Spiel an, dass sie sich schon unter den besten Jungs durchzusetzen wusste. Sie scheut keinen Zweikampf, ist eine außergewöhnlich gute Kopfballspielerin und weiß ihren Körper einzusetzen - manchmal überschreitet sie dabei Grenzen. Im Champions-League-Finale 2013 gegen Lyon spielte sie trotz eines Bänderrisses im Sprunggelenk. Diese Unvernunft kostete sie die EM-Teilnahme, und so steht sie trotz grandioser Torquote im Nationaldress noch ohne Titel da. "Relativ frech und lebenslustig" findet sich Popp noch immer, aber sie ist reifer geworden: "Die Verletzungen, die ich in den letzten Jahren so mitgenommen habe, haben mich geprägt. Ich höre jetzt mehr auf meinen Körper und bin verantwortungsbewusster."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 04.07.2015, 21.45 Uhr 

Stand: 05.07.15 00:28 Uhr