Die deutsche Bank bejubelt den Führungstreffer von Anja Mittag (4.v.r.). © Witters Fotograf: Matt Kryger

Deutsches Team

4:1 - DFB-Frauen überzeugend ins Viertelfinale

von Bettina Lenner, sportschau.de

Deutschlands Fußball-Frauen haben die bislang größte Herausforderung in Kanada bravourös gemeistert und sind mit einem überzeugenden 4:1 (2:0)-Sieg gegen Schweden ins WM-Viertelfinale eingezogen. Gegner am Freitag (26.06.15, 22 Uhr MESZ, im Liveticker und Social Stream bei sportschau.de) in Montreal ist Mitfavorit Frankreich oder Südkorea.

Bundestrainerin Silvia Neid vertraute im mit 22.486 Zuschauern ausverkauften Lansdowne Stadium in Ottawa dem ersten Aufgebot aus dem Auftaktspiel gegen die Elfenbeinküste. Dzsenifer Marozsan, Siegtorschützin im EM-Halbfinale 2013 gegen die Skandinavierinnen (1:0), blieb zunächst auf der Bank. Bei den Schwedinnen stand dagegen Nilla Fischer, um die es im Vorfeld Rätselraten gegeben hatte, in der Startformation. Die Kapitänin des VfL Wolfsburg hatte am Freitag im Abschlusstraining überraschend pausiert, offenbar um eine Migräne auszukurieren.

Zwei dicke Chancen gleich zu Beginn

Kopfschmerzen dürften der Abwehrchefin gleich die Anfangsminuten bereitet haben. Keine 20 Sekunden waren vergangen, da verbuchten die DFB-Frauen die erste dicke Chance: Emma Berglund trat über den Ball, der bei der völlig freistehenden Alexandra Popp landete. Die Angreiferin vom VfL Wolfsburg wirkte jedoch etwas überrascht und verzog aus 13 Metern. 90 Sekunden später folgte die nächste Gelegenheit, als Celia Sasic die emsige Simone Laudehr toll in Szene setzte. Keeperin Hedvig Lindahl, insgesamt die stärkste Akteurin in den schwedischen Reihen, rettete.

Deutschland klar besser

Chancen, denen Deutschland noch nachtrauern würde? Der naheliegende Gedanke verflüchtigte sich, weil das DFB-Team weiter das Spiel beherrschte, konsequent verteidigte und in allen Belangen die klar bessere Mannschaft war. Schweden trat erschreckend schwach auf, kam kaum einmal in die Vorwärtsbewegung. Und wenn, dann haperte es im Abschluss: Linda Sembrants Schuss aus 20 Metern landete in den Wolken (20.), kurz vor der Pause stand Stürmerin Sofia Jakobsson bei einem Kopfball in unmittelbarer Nähe zum Tor, aber auch im Abseits.

Zu diesem Zeitpunkt lagen die Skandinavierinnen allerdings bereits 0:2 zurück. In der 24. Minute war die überragende Anja Mittag in einen Pass im schwedischen Aufbauspiel gesprintet und hatte dann nach einem Doppelpass mit Sasic mit einem satten Schuss aus 18 Metern für die Führung gesorgt - schon der fünfte Treffer der Stürmerin, die jahrelang für Malmö auf Torejagd gegangen war, bei der WM. Knapp elf Minuten später holte Mittag gegen Amanda Ilestedt ein Strafstoß heraus, den Sasic sicher zur beruhigenden 2:0-Führung verwandelte.

Partie nur scheinbar gelaufen

Neid wechselte zur Halbzeit Edeltechnikerin Marozsan für Melanie Leupolz ein, ansonsten machten die Europameisterinnen da weiter, wo sie vor dem Pausenpfiff aufgehört hatten. In der 47. Minute senkte sich ein Lupfer von Linksverteidigerin Tabea Kemme gefährlich aufs schwedische Tor, landete aber auf der Latte. Auf der anderen Seite waren die Kontrahentinnen nun sichtlich bemüht, im Spiel nach vorne mehr zu tun. Therese Sjögrans erste Ecke für Schweden entpuppte sich als gefährlich, Torhüterin Nadine Angerer konnte gerade noch vor der einköpfbereiten Lina Nilsson klären (57.).

Das Spiel war zwar nicht mehr so einseitig wie im ersten Abschnitt, hochkarätige Chancen blieben beim Team von Trainerin Pia Sundhage dennoch Mangelware. Deutschland dagegen war auch weiterhin gefährlich: In der 65. Minute prüfte Lena Goeßling mit einem Schlenzer Keeperin Lindahl, die den gefühlvollen Schuss gerade noch an die Querlatte lenken konnte. Kurz darauf flankte Laudehr in den Strafraum, Sasic verpasste und der Ball rutschte durch zu Alexandra Popp, die aber aus sehr spitzem Winkel knapp verpasste. In der 78. Minute schließlich staubte Sasic, die nun ebenfalls fünf WM-Tore auf dem Konto hat, einen Pfostenschuss von Laudehr zum 3:0 ab - die Partie war gelaufen. Oder etwa nicht?

Neid: "Wissen jetzt, wozu wir in der Lage sind"

Die enttäuschenden Skandinavierinnen schienen längst geschlagen, da meldeten sie sich unverhofft zurück. Sembrant verkürzte nach einem Freistoß per Kopf auf 1:3 (82.), zwei Minuten später musste Angerer ihr ganzes Können und ihre ganze Erfahrung aufbieten, um das 2:3 nach einem langen Ball auf die pfeilschnelle Jakobsson zu verhindern. Erst zwei Minuten vor Schluss machte Marozsan mit ihrem Traumtor im Fallen alles klar - 4:1.

Während Deutschland nun weiter vom "dritten Stern" und von der Teilnahme an den Sommerspielen im kommenden Jahr in Rio träumen darf, ist für Schweden der WM- und der Olympia-Traum geplatzt. "Wir waren klar die bessere Mannschaft und sind deswegen verdient im Viertelfinale. Das war ein ganz wichtiges Spiel, vielleicht sogar ein Schlüsselspiel. Wir wissen jetzt, wozu wir in der Lage sind", bilanzierte Neid zufrieden. "Deutschland ist einfach besser als wir", konstatierte auch Sundhage. Einzige Wermutstropfen aus deutscher Sicht: Innenverteidigerin Saskia Bartusiak fehlt im nächsten Spiel gelbgesperrt, Laudehr knickte in der Schlussphase um und hat sich eine leichte Bänderdehnung im Sprunggelenk zugezogen. Ihr Einsatz am Freitag soll aber nicht gefährdet sein.

STATISTIK

FIFA Frauen WM 2015 · 1. Spieltag

20.06.2015 22:00 Uhr

Deutschland

Angerer - Maier, Krahn, Bartusiak, Kemme (77. Cramer) - Goeßling, Leupolz (46. Marozsan) - Laudehr, Mittag, Popp (89. Lotzen) - Sasic

4

Schweden

Lindahl - Berglund (80. Hjohlman), Ilestedt, Fischer, Samuelsson (46. Nilsson) - Sembrant, Seger - Rubensson (67. Asllani), Sjögran - Jakobsson, Schelin

1

FAKTEN UND ZAHLEN ZUM SPIEL

Tore:

Strafen:

  • gelbe KarteBartusiak
  • gelbe KarteIlestedt
  • gelbe KarteSchelin

Stadion:

  • Lansdowne Stadium

Ort:

  • Ottawa

Zuschauer:

  • 22486

Schiedsrichter:

  • Hyang Ok Ri (Nordkorea)

Stand: 21.06.15 00:50 Uhr