Yes, she can! Die USA sind Weltmeister

Die Fußballerinnen der USA bejubeln den WM-Sieg © dpa-Bildfunk Fotograf: Ben Nelms

Endspiel

Yes, she can! Die USA sind Weltmeister

von Hanno Bode, sportschau.de

Die USA sind zum dritten Mal nach 1991 und 1999 Frauenfußball-Weltmeister. Der Deutschland-Bezwinger setzte sich in Vancouver gegen Japan mit 5:2 (4:1) durch. Die Amerikanerinnen nahmen damit erfolgreich Revanche für das verlorene WM-Endspiel 2011. Kapitänin Carli Lloyd erzielte drei Treffer. Die 32-Jährige wurde im Anschluss von der FIFA mit dem Goldenen Ball als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet.

Das Gros der 53.341 Zuschauer im BC Place Stadium zu Vancouver dürfte zunächst seinen Augen nicht getraut haben. An ein Weltmeisterschaftsfinale erinnerte das Duell der USA mit Japan in der Anfangsphase jedenfalls nicht. Eher an das Gruppenspiel eines Turnierfavoriten gegen einen hoffnungslos überforderten Exoten, der seine ersten Schritte auf der WM-Bühne macht. Die Rolle des Underdogs nahm dabei der Titelverteidiger ein. Das Defensivverhalten der Asiatinnen mit naiv zu beschreiben, es wäre noch geschmeichelt. So fehlte bei zwei Standardsituationen, die zu den ersten beiden Gegentreffern führten, jeweils die Zuordnung. Zunächst durfte Carli Lloyd einen Eckstoß von Geburtstagskind Megan Rapinoe (wurde 30 Jahre alt) mehr oder minder ungehindert aus zehn Metern in das Gehäuse schieben (3.). 120 Sekunden später schlug Lauren Holiday einen Freistoß in Japans Strafraum, Julie Johnston verlängerte und erneut war Lloyd zur Stelle - das 2:0.

Lloyd mit Traumtor von der Mittellinie

Jubel bei Carli Lloyd © picture alliance / AP Images Fotograf: Jonathan Hayward

US-Kapitänin Carli Lloyd traf im Endspiel dreimal.

Auf den Tribünen lagen sich die amerikanischen Fans ungläubig in den Armen. Der anwesende US-Vizepräsident Joe Biden sowie die Frauenfußball-Legende Mia Hamm, die mit den USA 1991 und 1999 Weltmeisterin wurde, klatschen begeistert Beifall. Sie sollten schon bald abermals ihre Arme in die Höhe strecken dürfen. In der 14. Minute nutzte Holiday einen weiteren kapitalen Schnitzer in der japanischen Abwehr zum 3:0. Kurz darauf war die Demütigung des Titelverteidigers dann perfekt, als die überragende Lloyd aus dem Mittelkreis eine gefühlvollen Heber auf die Reise schickte, Keeperin Ayumi Kaihori im Rückwärtslaufen stolperte und der Ball zum 4:0 hinter ihr im Tor einschlug (16.). Es war der sechste Turniertreffer der 32-Jährigen. Sie zog damit in der Torschützenliste mit Celia Sasic gleich.

Solo erstmals nach 540 Minuten wieder überwunden

Im Überschwang der Gefühle ließ der Olympiasieger die Zügel etwas schleifen. Das Team von Trainerin Jillian Ellis gestattete den zumindest tapfer kämpfenden Asiatinnen nun, am Spiel teilzunehmen. So entwickelte sich ab Mitte des ersten Durchgangs ein Duell auf Augenhöhe, das die Zuschauer und Experten doch eigentlich von Beginn an erwartet hatten. Erst jetzt zeigte Japan seine Qualitäten, kombinierte phasenweise sicher und kam durch die Wolfsburgerin Yuki Ogimi zum ersten Treffer (27.). Die 27-Jährige überwand Hope Solo mit einem technisch anspruchsvollen Linksschuss. Die Keeperin musste erstmals nach 540 Minuten wieder hinter sich greifen.

Heath sorgt für endgültige Entscheidung

Als Johnston kurz nach dem Seitenwechsel einen Freistoß von Aya Miyama ins eigene Netz köpfte (52.), deutete einiges auf eine spannende Schlussphase hin. Doch Japans Schwächen bei den Standards der USA blieben eklatant. So vermochte es die indisponierte Schlussfrau Kaihori nicht, einen in den Fünfmeterraum gezogenen Eckstoß von Holiday zu klären, die am zweiten Pfosten stehende Morgan Brian passte zurück zu Tobin Heath, die zum 5:2 traf (54.). Damit war die Moral des Titelverteidigers gebrochen. Die Amerikanerinnen verwalteten in der Schlussphase abgeklärt ihre sichere Führung. Trainerin Ellis schickte in Angreiferin Abby Wambach sowie der 40-jährigen Christie Rampone, die bereits beim WM-Sieg 1999 im Kader gestanden hatte, zwei Ikonen des US-Frauenfußballs noch für einige Minuten auf den Rasen. Bald darauf pfiff die sehr umsichtig leitende Schiedsrichterin Kateryna Monzul ab. Der Rest war ein Meer aus Tränen der Freude auf der einen und Enttäuschung auf der anderen Seite.

STATISTIK

FIFA Frauen WM 2015 · 1. Spieltag

06.07.2015 01:00 Uhr

USA

Solo - Krieger, Johnston, Sauerbrunn, Klingenberg - Holiday, Brian - Heath (79. Wambach), Rapinoe (61. O'Hara) - Morgan (86. Rampone), Lloyd

5

Japan

Kaihori - Ariyoshi, Iwashimizu (33. Sawa), Kumagai, Sameshima - Sakaguchi, Utsugi - Kawasumi (39. Sugasawa), Miyama - Ohno (60. Iwabuchi), Ogimi

2

FAKTEN UND ZAHLEN ZUM SPIEL

Tore:

Strafen:

  • gelbe KarteSawa
  • gelbe KarteIwabuchi

Stadion:

  • BC Place Stadium

Ort:

  • Vancouver

Zuschauer:

  • 53341

Schiedsrichter:

  • Kateryna Monsul (Ukraine)

Stand: 06.07.15 02:51 Uhr