DFB-Spielerin Simone Laudehr ist enttäuscht. © dpa Fotograf:  Carmen Jaspersen

Deutsches Team

Erster Dämpfer für DFB-Team: 1:1 gegen Norwegen

von Hanno Bode, sportschau.de

Deutschland hat bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Kanada den ersten kleinen Dämpfer hinnehmen müssen. Trotz ausgezeichneter Leistung im ersten Abschnitt kam der Rekord-Europameister am Ende gegen Norwegen nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus. Der Gruppensieg ist dem DFB-Team nach der Punkteteilung allerdings kaum noch zu nehmen.

Marozsan mit überragender ersten Hälfte

Die deutsche Auswahl knüpfte am Donnerstagabend (11.6.15) in ihrem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Norwegen zunächst nahtlos an ihren überzeugenden Auftritt gegen die international allerdings auch zweitklassige Elfenbeinküste (10:0) an. Bereits nach 21 Sekunden gab Dzsenifer Marozsan den ersten Warnschuss ab. Der Versuch der Mittelfeldakteurin, die den Vorzug vor der angeschlagenen Melanie Leupolz (Schambeinprellung) auf der "Sechs" erhielt, verfehlte zwar deutlich das Ziel. Doch er war ein Indiz dafür, dass die 23 Jahre alte Edeltechnikerin Verantwortung übernehmen und das Spiel an sich reißen wollte. Es gelang ihr. Die gebürtige Ungarin prägte mit klugen Pässen und Tempowechseln das Geschehen im ersten Durchgang. "Maro" war gemeinsam mit Anja Mittag in den ersten 45 Minuten die auffälligste Spielerin auf dem Plastikgrün im Lansdowne Stadium zu Ottawa.

"M&M"-Zusammenarbeit führt zum 1:0

Nicht von ungefähr führte eine Zusammenarbeit von "M&M" zur deutschen Führung: Marozsan zog aus rund 20 Metern ab, Keeperin Ingrid Hjelmseth konnte den Ball nur vor die Füße von Mittag abklatschen, die zum 1:0 abstaubte (6.). Die zukünftige Frankreich-Legionärin wird für Norwegen allmählich zum Schreckgespenst. Bereits im Endspiel der Europameisterschaft 2013 in Schweden hatte die 30-Jährige mit ihrem ersten Ballkontakt das goldene Tor zum 1:0-Erfolg erzielt.

Angerer besteht erste Prüfung bravourös

Mittag und Co. spielten trotz der frühen Führung weiter konzentriert und zügig nach vorn. Gegen die im Vergleich zur Auftaktpartie gegen Thailand auf zwei Positionen umgestellte Viererkette Norwegens ergaben sich einige weitere gute Möglichkeiten. Die beste davon vergab Alexandra Popp in der 29. Minute. Der Kopfball der Wolfsburgerin strich um Haaresbreite am Ziel vorbei. Eine 2:0- oder 3:0-Führung wäre möglich gewesen. Stattdessen wären kurz vor der Pause beinahe die bis dato pomadig und inspirationslos agierenden Skandinavierinnen zum Ausgleich gekommen: Isabell Herlovsen setzte sich gegen Leonie Maier und Annike Krahn durch, schloss wuchtig ab und zwang Nadine Angerer zu einer Glanztat (43.). Auch den folgenden mit viel Effet auf das Gehäuse gezogenen Eckstoß lenkte die Kapitänin über das Aluminium.

Mjelde egalisiert per Freistoß

Die Norwegerinnen bejubeln den Treffer zum 1:1-Ausgleich. © Witters Fotograf: MarcDesRosiers

Norwegen kam im zweiten Abschnitt zum verdienten Ausgleich.

Norwegens Coach Even Pellerud reagierte auf den schwachen Auftritt seiner Elf und wechselte zum zweiten Durchgang die routinierte Solveig Gulbrandsen für die wirkungslose Gry Tofte Ims ein. Von der 34-Jährigen versprach sich der Übungsleiter mehr Stabilität im Mittelfeld. Doch Gulbrandsens erste nennenswerte Aktion war ein Foul an Popp kurz vor der Strafraumgrenze. So durfte Marozsan zum Freistoß antreten. Ihr gefühlvoll getretener Standard strich aber deutlich über die Latte (54.). Kurz darauf legte sich Maren Mjelde auf der Gegenseite in beinahe identischer Position den Ball zum Freistoß hin. Saskia Bartusiak hatte Herlovsen Zentimeter vor dem 16-Meterraum mit unlauteren Mitteln gestoppt. Und Mjelde zirkelte die Kugel gefühlvoll über die deutsche Mauer ins von ihr aus gesehen linke Eck - das 1:1 (61.).

Neid-Team vom Ausgleich geschockt

Das Tor traf den zweimaligen Weltmeister bis ins Mark. Beim Team von Bundestrainerin Silvia Neid häuften sich nun die Fehlpässe und Stockfehler. Die im ersten Abschnitt noch sehr präsenten Mittag und Marozsan vermochten es nicht mehr, Struktur in das deutsche Spiel zu bringen. Vieles blieb Stückwerk. Pelleruds Einwechslung von Gulbrandsen zahlte sich hingegen aus. Die Norwegerinnen standen jetzt in der Zentrale wesentlich kompakter, schalteten nach Ballgewinnen blitzschnell um und hinterließen zudem den etwas frischeren Eindruck. Allerdings ließen die Skandinavierinnen in der Schlussphase die letzte Entschlossenheit vermissen, den zweiten Treffer zu erzielen. So bleibt das DFB-Team dank der wesentlich besseren Tordifferenz Erster der Gruppe B. Sollte sich die Neid-Auswahl in ihrer abschließenden Begegnung gegen den "Fußball-Zwerg" Thailand (15.6. 22 Uhr) nicht wider Erwarten bis auf die Knochen blamieren, dürfte sich am Tableau auch nichts mehr ändern.

STATISTIK

FIFA Frauen WM 2015 · 2. Spieltag

11.06.2015 22:00 Uhr

Deutschland

Angerer - Maier, Krahn, Bartusiak, Kemme - Goeßling, Marozsan - Laudehr (66. Lotzen), Mittag (80. Bremer), Popp (70. Däbritz) - Sasic

1

Norwegen

Hjelmseth - Mjelde, M. Lund, Thorisdottir, Wold - Schjelderup, Tofte Ims (46. Gulbrandsen), Mykjaland - Minde (60. Thorsnes), Herlovsen (90.+2 Haavi), Hegerberg

1

FAKTEN UND ZAHLEN ZUM SPIEL

Tore:

Strafen:

  • gelbe KarteBartusiak

Stadion:

  • Lansdowne Stadium

Ort:

  • Ottawa

Zuschauer:

  • 18987

Schiedsrichter:

  • Teodora Albon (Rumänien)

Stand: 11.06.15 23:54 Uhr